Im Dreieck Eltern – Kind – Lehrer

Wenn Kinder in der Schule Schwierigkeiten mit Lehrern haben, sind nicht selten die Eltern gefragt. Dabei sollten das Kind, seine Gefühle und seine Bedürfnisse nicht aus dem Blick geraten, ebenso wenig wie die Gefühle und Bedürfnisse der Erwachsenen. Wie Sie Gespräche führen und Gehör finden.

Ariane Brena

Charly geht in die 6. Klasse. Wenn er an seinen Hausaufgaben sitzt, starrt er öfter für Minuten aus dem Fenster, scheinbar ohne etwas zu tun. Er wirkt blass und erschöpft. Seinen Eltern fällt das auf, und sie fragen ihn nach seinen Erlebnissen in der Schule. Charlotte ist 8 Jahre alt und verbringt ihre Vormittage in der Grundschule und dann noch zwei bis drei Stunden im Hort. Seit einiger Zeit beobachten ihre Eltern, dass sie einen »erzieherischen« Ton gegenüber ihren Geschwistern an den Tag legt; außerdem rebelliert sie ungewöhnlich heftig gegen jegliche Festlegung, zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten oder das Benutzen des Kindersitzes im Auto. Die Eltern fragen sie, ob es in der Schule oder im Hort Ärger gegeben habe.

Diese Fragen, die Eltern aus Liebe und Sorge an ihre Kinder richten, können der Einstieg in ein Drama sein, wenn nicht eine Tragödie. Oder sie führen zu mehr Verbindung, Verständnis und Rücksicht und vielleicht zu einvernehmlich gefundenen Lösungen. Im besten Fall wird ein gemeinsamer Lern- und Entwicklungsprozess im Dreieck Eltern – Kind – Lehrer daraus.

Die Falle »Ursachen-Suche«

In diesem Dreieck gibt es häufig folgende Gedankenfigur: Das Kind fällt durch sein Verhalten auf; deshalb muss man nach Ursachen suchen; und diese liegen dann entweder »im« Kind im Sinne von Begabungen, Krankheiten, sogenannten Behinderungen und so weiter, oder sie liegen bei einer der anderen Ecken des Dreiecks: Elternhaus oder Schule. Egal, ob Eltern oder Pädagogen sich auf Ursachen-Suche begeben: Mit dieser Art, Gründe suchen und finden zu wollen, passiert Bemerkenswertes:

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