Alles gender in der Bildung?

In vielen Freien Schulen gibt es ein Bewusstsein für Geschlechterfragen. Angebote sollen zur Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen und zugeschriebenen Rollenkonzepten anregen. Was tut sich da tatsächlich und woher kommt es?

Jan Kasiske und Nicola Kriesel

»Es gibt kein ›geschlechtsneutrales‹ Handeln, auch keine ›geschlechtsneutrale‹ Fachlichkeit (…) Wir tragen nun mal unsere Perspektiven und Anliegen, Geschichten und Verletzungen als Männer und als Frauen mit uns. Sie sind bewusst zu reflektieren, nicht auszublenden.« (Markus Theunert in: Zeitschrift für Organisationsentwicklung und Change Management)

Was heißt hier »Gender«?

»Gender« kann mit Geschlechterverhältnis oder »sozialem« Geschlecht übersetzt werden. Es bezeichnet zum einen die im Laufe des Lebens erworbenen Einstellungen und Verhaltensweisen bezogen auf geschlechtliche Rollenmuster und Vorbilder – männlich, weiblich, queer, transgender etc. Zum anderen bezeichnet »Gender« die tägliche Kenntlichmachung und Wiederholung im Verhalten als »Mann«, »Frau«, »Queer« usw. durch das jeder Mensch zeigt, was oder wer er oder sie ist. Dieser alltägliche Prozess des Tun und Zeigens einer Zugehörigkeit geschieht meistens unbewusst und unreflektiert. Dafür gibt es auch den Begriff »doing gender«, mit dem gemeint ist, dass Menschen keine Geschlechter haben, sondern diese immer wieder durch Kommunikation und Auftreten herstellen.

Kultur der Zweigeschlechtlichkeit

Die Welt scheint geschlechtlich eingeteilt in zwei Arten von Menschen: »Mädchen« und »Jungen«, bzw. »Männer« und »Frauen«. Dabei wird davon ausgegangen, dies helfe im täglichen Miteinander, und es gebe nur diese zwei Möglichkeiten. Die »Kultur der Zweigeschlechtlichkeit« wird schon wichtig, bevor Menschen geboren werden. Während der Schwangerschaft wird gefragt: »Was wird es denn?« Wer die Frage mit »ein Mensch« beantwortet, gilt schnell als unhöflich, denn was gemeint ist, ist klar: Junge oder Mädchen?

Offenbar ist diese Unterscheidung sehr wichtig, meistens wichtiger als die Frage nach dem Gesundheitszustand der Schwangeren oder des Embryos.

Kindern wird also bereits pränatal geschlechtlich begegnet, und das setzt sich nahtlos nach der Geburt fort – in der Farbe der Kleidung und Bettwäsche, später in der Wahl der Spielsachen. Der Zweigeschlechtlichkeit der Spielzeugindustrie kann nicht entkommen werden (vgl. Manuela Schauerhammer: Wer wir sind und was wir werden: Wie die »Normalität« die Freiheit behindert. unerzogen Magazin 4/11). Dabei lernen bereits junge Menschen, bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden und auszuschließen, sich in einer bestimmten Art zu bewegen, zu lächeln, zu sprechen, um sich so als »männlich« oder »weiblich« zu inszenieren.

Gender-Training: Entschleunigung

Auch in Freien Schulen ist das nicht anders, auch hier herrscht wie überall die Kultur der Zweigeschlechtlichkeit, auch wenn die meisten pädagogischen Konzepte zur Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen einladen.

Dazu bedarf es eines Bewusstseins für die »Gender-Frage« bei den Erwachsenen. In so genannten Gender-Trainings können sie die Wirkungen von individuellen, strukturellen/organisationsbezogenen und gesellschaftlichen Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht thematisieren und reflektieren. Hierbei ist es wichtig, besonderen Raum für Selbstreflektion von Stereotypen und geschlechtlichen Normierungen bereitzustellen.

Wesentlich ist es dabei, insbesondere für Teams von Freien Schulen, denen Selbstbestimmung so am Herzen liegt, den Blick auf das persönliche Selbstbestimmungsrecht zu lenken – auch das der Kinder – was hier vor allem bedeutet, dass ausgesucht werden kann, was und wie wer sein will und nicht wie wer sein soll.

Da es gesellschaftlich gesehen schwierig ist, aus der Zweigeschlechtlichkeit auszusteigen, weil diese dominanten Grundmustern unterliegt, ist es auch in den Gender-Trainings oft schwierig, diese Muster zu erkennen und sich Alternativen zu überlegen. Jedoch ist jede reflektierte und vorgedachte Alternative bereits eine Verhaltensänderung. Davon kann im Training ausgegangen werden: antizipierte Verhaltensänderungen zu üben und Rückmeldungen auf die erzielte Wirkung zu erhalten. Dadurch entschleunigen die Mitarbeitenden ihre Kommunikation und Gedanken und können eher zu einer Verständigung gelangen.

Pädagogischer Alltag

»Jungen nehmen sich ihre Freiräume viel stärker«, »Wie kriegt man die Jungs ans Lernen?«, »Es sind nie die Mädchen, die beim Wochenplan Verpflichtungen fordern!« oder »In unseren Fallbesprechungen im Team reden wir fast nur über die Jungen, so viel Probleme machen sie in diesem Alter.«

Solchen und ähnlichen Beobachtungen bzw. Annahmen begegnen wir immer wieder während unserer Besuche an Freien Schulen. Oft befassen sich die Teams mit diesen Themen rund um Vergeschlechtlichung und räumen ein, dass im schulischen Alltag wenig Zeit bleibt bzw. sie sich wenig Zeit nehmen, solche Situationen, Beobachtungen und Annahmen zu besprechen, zu hinterfragen und neue Reaktionen bzw. Interventionen zu erproben. Es scheint kein Entkommen zu geben.

An den meisten Freien Schulen gibt es seit langem ein Bewusstsein für die Genderfrage und zahlreiche Versuche, entsprechende Angebote für Jungen und/oder Mädchen zu machen. Oftmals hören wir in Gesprächen folgende Gedanken: »Wenn wir geschlechtsspezifische Angebote gemacht haben, fangen die Kinder erst recht an zu fragen, warum das nötig sei, warum sie denn z. B. nicht zu den Mädchen dürften und was es denn nun genau heiße, Junge zu sein. Damit bewirken wir doch das Gegenteil von dem, was wir wollen, oder?« und »Über den Ansatz, allen Kindern prinzipiell alles an Aktivitäten zu ermöglichen, sind wir uns einig im Team, nur bei der tatsächlichen Umsetzung hängen wir durch. Wir sind auch nicht darüber hinaus gekommen, eine extra Mädchen-Fußball-AG anzubieten oder mit den Jungen einen Backnachmittag zu machen. Das kann’s doch nicht sein? Aber ist doch ein Anfang.« Hier treffen wir auf eine gewisse Ratlosigkeit zum Thema. Häufig gehen Erwachsene davon aus, dass es geschlechtsspezifische Interessen gibt und sehen sich in der Pflicht auf diese einzugehen, genauso wie auf andere – möglicherweise diametral entgegenstehende – Interessen. Der Ansatz ist es, Rollenbilder zu hinterfragen, sie nicht zu verwerfen oder zu verstärken.

Nur wenn sie nicht durch Rollenklischees eingeschränkt sind, können Jungen und Mädchen sich wirklich zu ganzheitlichen Persönlichkeiten entwickeln.

Den Teams scheint es häufig ein Anliegen zu sein, den Kindern Rollenklischees bewusst zu machen. Wenn wir nach Erfahrungen mit geschlechterindifferenten Kindern fragen, hören wir: »Klar, gibt es Jungs mit langen Haaren und wenn die klein sind, spielen die auch mal mit Puppen, und Mädchen mit kurzen Haaren spielen Fußball, aber in ihrer geschlechtlichen Identität, sind diese Kinder klar zugeordnet.« Sind wirklich alle Kinder klar zugeordnet in ihrer Identität oder wird die Frage nach dem, was es zwischen männlich und weiblich gibt in den Schulen gar nicht gestellt, weil es dafür noch kein Bewusstsein gibt? Der selbstgewählte Auftrag einiger pädagogischen Teams in Geschlechterfragen, ist die Geschlechterverhältnisse immer wieder zu irritieren, sie zu hinterfragen, weil das woanders kaum passiert.

Mädchen- und Jungenarbeit

Nachdem in den 1970er Jahren zunächst feministisch geprägte Mädchenarbeit Einzug in die Pädagogik hielt, wurde diese in den 1980er Jahren von expliziter Jungenarbeit beantwortet. In beiden pädagogischen Richtungen ging es vor allem um Kritik an den bestehenden Herrschaftsverhältnissen und Rollenkonzepten.

In den 1990er Jahren kam dann die so genannte nicht-identitäre Jungenarbeit hinzu, die stark auf Irritation bestehender Verhältnisse und deren Entschlüsselung hinsichtlich geschlechtsspezifischer Zuweisungen setzt.

Vor allem erarbeiteten Pädagoginnen und Pädagogen Methoden und Übungen, die nicht identitätsstiftend hinsichtlich neuer Bilder und Rollenmodellen vom »Mann« wirkten, sondern sich den einzelnen »Jungen« in ihrer jeweiligen Lebenslage stärker zuwendeten.

Zwei »natürliche« Geschlechter – Essentialismus

Sehr leicht lässt sich an Äußerungen oder dem Auftreten von Menschen erkennen, welcher impliziten oder expliziten (bewussten) Theorie von Vergeschlechtlichung sie folgen. Natürliche Zweigeschlechtlichkeit von Mann und Frau, körperlich durch Menschen mit und ohne Vulva zu unterscheiden, ist eine der essentialistischen (vom Wesen her gedachten) Grundannahmen. Eine andere solche Grundannahme weist klare Einflussbereiche oder Einschränkungen im Miteinander zu: Frauen eher den häuslichen-familiären Bereich und Männern eher den außerhäuslichen. Häufig anzutreffen ist diese Position in den fünf Weltreligionen in unterschiedlichen Spielarten.

Diese so definierten Fähigkeiten von Männern und Frauen sind außerdem auf natürliche Weise ergänzend oder »für einander geschaffen«, so dass getrennte Arbeits- und Lebensbereiche einer friedlichen Welt durchaus förderlich seien. Die »Natur des Menschen« sei insofern gut und (Gott-)gegeben, abweichendes Verhalten – Homosexualität, Mütter, die ihre Kinder nicht lieben oder abgetrieben haben, Männer als Baby-Erzieher oder Lesben als Schulleiterinnen – sind nicht förderlich und unerwünscht.

Gewalt, Vergewaltigung, Kinderpornografie sind in diesem Sinne ein Ergebnis der Aufweichungen der »natürlichen« Prinzipien durch die moderne Gesellschaft, Medien etc.

Frauen und Männer dürfen vieles – Differenzfeminismus

»Natürliche Zweigeschlechtlichkeit« ist auch hier die Grundannahme, jedoch mit anderen Konsequenzen: Daraus leitet sich keine Rechtfertigung geschlechtsgetrennter Arbeitsteilungen ab. Im Gegenteil sei das Übel und die Ursache vielfältiger Gewalt, dass die Männer es geschafft hätten, das »Weibliche« auch bei sich selbst abzuwerten und Frauen bzw. »Weiblichkeit« aus vielen gesellschaftlichen Bereichen wie z. B. der Politik und Wirtschaft herauszudrängen.

Frauen seien als Trägerinnen »weiblicher« Eigenschaften Hoffnungsträgerinnen. Sie sollten mit ihrer »Weiblichkeit« in alle gesellschaftlichen Bereiche zurückgehen, um Gewalt in der Gesellschaft und zwischen den Geschlechtern abzubauen.

Dieser Position stehen eine Vielzahl von Autoren und Autorinnen der sogenannten Selbsthilfe- und Ratgebeliteratur nahe. Sie bedienen sich der Archetypen einer Geschlechterbinarität, die häufig »beide« Formen als Opfer der jeweils anderen darstellen.

Sex-/Gender-Unterscheidung – Gleichheitsfeminismus

Hier wird »Sex« als biologisch-gegebenes Geschlecht angesehen und »Gender« ist das, was die Menschen daraus machen, also dass z. B. ein »Mann« nicht gebären, aber sich sehr wohl um Haushalt und Kinderwohl kümmern könne.

Dieser Ansatz streitet nicht ab, dass es zwar zwei eindeutige, biologisch unterscheidbare Geschlechter gibt – englisch »sex« von lateinisch »sexus«. Aber alles, was über diesen Unterschied hinausgehe, also vor allem Gebär- und Zeugungsfähigkeit, sei ein Phänomen der Zeit und der jeweiligen Aktivitäten der Menschen und damit sozial konstruiert: »Frau wird nicht als Frau geboren, sondern dazu gemacht«, war die Aussage der französischen Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir (1908–1986). Heute wird oft hinzugefügt: »Mann ebenso.« Im Unterschied zu »sex« ist »gender« also historisch, damit veränderbar und nicht eindeutig, sondern kulturell bedingt – je nach Land und Leuten.

Weil somit auch Männer ständig daran beteiligt sind, herzustellen, was nun wirklich als »männlich« gilt, können sie in diesem Konzept nach der australischen Soziologin Raewyn (ehemals Bob) Connell auch als Opfer patriarchaler Gewalt begriffen werden. Connell untersuchte die Konkurrenzen verschiedener Männlichkeitsmodelle und prägte den Begriff der »Hegemonialen Männlichkeit«, welche eine gesellschaftliche Praxis beschreibt, die die dominante soziale Position von Männern und eine untergeordnete Position von Nicht-Männern garantieren soll.

Eins und Eins macht mindestens Drei – »sex« ist »gender«

Die vierte Position ist die, die »sex« als solches als nicht existent betrachtet und behauptet: alle Unterschiede, die Menschen machen, machen sie absichtsvoll, um Herrschaftsverhältnisse herzustellen. Keiner der Unterschiede sei natürlich gegeben.

Diese Kritik kommt aus den sozialen Bewegungen und feministischen Diskussionen von Frauen, insbesondere afroamerikanischen Frauen in den USA und der Schwulen-Lesben-Queer-Bewegung, aus der auch die Autorin des Buchs Das Unbehagen der Geschlechter , Judith Butler, kommt.

Sie waren unzufrieden damit, dass sie sich einem und genau einem Geschlecht zuzuordnen hätten, obwohl ihre Realität eine andere war: Unterschiede zu weißen akademischen Frauen in den USA empfanden afroamerikanische Frauen als viel zu groß, um sich auf der Basis des »Frauseins« alleine zu solidarisieren. Transsexuelle, Menschen mit Geschlechtsanpassung, Schwule und Lesben mit sexuellen Praktiken und Lebensweisen jenseits der Begriffe »gebärfähige Frau« und »zeugungsfähiger Mann« konnten mit dem starren Schema des streng heterosexuell orientierten »Sex«-Begriffes nichts anfangen. Diese formulierten Positionen kritisieren eine Heteronormativität, also die durchgängige Annahme des Familienmodells »heterosexueller Vater-Mutter-Kind Triade«.

Zurück in die Schule

Wir beobachten beispielsweise anhand der Kommunikation im Klassenraum wie sich Geschlechterverhältnisse abbilden und sich möglicherweise so immer wieder als »geschlechtsspezifisch« erfahrene Unterschiede festigen.

In einem Kurs in der Sekundarstufe einer Schule konnten wir interessante Beobachtungen machen: Es sind 21 Jugendliche anwesend, 13 von ihnen als Mädchen und acht als Jungen wahrgenommene junge Menschen. Sie sitzen in fünf Reihen à vier Stühlen. Die erste Reihe ist ausschließlich von Jungen besetzt. Dann folgen drei Reihen mit Mädchen, und die letzte Reihe sind wieder nur Jungs. Der Lehrer stellt vor, was heute in diesem Kurs geschieht und worum es geht. Ein Teil des Kurses wird eine Reflexion darüber sein, aus welchem Grund Achtklässler sich heute noch mit der historischen Figur Friedrich des Großen beschäftigen sollten. Während dieser Reflexionsrunde fällt uns auf, dass sich deutlich mehr Mädchen an der Diskussion beteiligen als Jungen und vor allem anderes Sprechverhalten haben. Sie werden entweder vom Lehrer häufiger drangenommen oder quatschen einfach drauflos . In den Konzeptionen von Freien Alternativschulen finden wir immer wieder Beispiele für die Auseinandersetzung mit Geschlechterverhältnissen. Am Beispiel der Freien Alternativschule Dresden wird klar, wie schwer es einerseits ist, die Gender-Thematik zu formulieren, ohne Stereotype zu reproduzieren, andererseits zeigen die Formulierungen im Konzept, dass jede Formulierung im Sinne von »doing gender« verstanden werden kann, denn: Trotz des Ziels, allen Menschen gerecht zu werden, werden hier die Belange der einzelnen mit »Jungen« und »Mädchen« als Bezug auf die Zweigeschlechtlichkeit, betitelt, um nicht sprachlos zu werden.

Die Form, die an dieser Schule gewählt wurde, ist gleichwohl sehr ausführlich und für eine pädagogische Konzeption durchaus differenziert: »Ausgehend davon, dass Hierarchien und Machtgefälle unter allen beteiligten Menschen der Schule vermieden werden sollen, also auch zwischen Frauen und Männern bzw. Mädchen und Jungen. Die geschlechterspezifische Sozialisation soll in der Freien Alternativschule Beachtung finden. Wir suchen nach Lösungen, Ideen und Möglichkeiten, die Jungen und Mädchen nicht mehr auf spezifisches Rollenverhalten festlegen, sondern sie ihre gesamten Fähigkeiten entdecken zu lassen. Dabei ist es wichtig, dass auch die Lehrerinnen bzw. Lehrer und Eltern ihre eigene Entwicklung dahingehend betrachten. Wir suchen nach Lösungen, Ideen und Möglichkeiten, wo insbesondere Mädchen gestützt werden, um sich nicht der scheinbaren Stärke der Jungen zu beugen. Und nach Wegen, wo Jungen nicht um jeden Preis die Vormachtstellung einnehmen müssen, um sich ›selbst-wert‹ zu fühlen.

Nur wenn sie nicht durch Rollenklischees eingeschränkt sind, können Jungen und Mädchen sich wirklich zu ganzheitlichen Persönlichkeiten entwickeln. Dazu werden innerhalb der Schule Zeit und Raum geschaffen, so dass sich Jungen und Mädchen mit ihrer Geschlechtersozialisation auseinandersetzen, sich dieser bewusst werden und konstruktiv nach Veränderungen und Lösungen suchen können. Die direkten und indirekten Macht- und Unterdrückungsstrukturen von Mann und Frau, Mensch und Tier, Natur und Umwelt sind nur veränderbar, wenn dem Problem der geschlechterspezifischen Sozialisation als einer der Wurzeln unserer Lebensverhältnisse grundlegende Beachtung gegeben wird. Es geht nicht um ein Gegeneinander von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen, sondern um die gemeinsame Konfliktlösung zugunsten von neuen, von beiden Geschlechtern akzeptierten und unterdrückungsfreien Lebensmöglichkeiten.« (Konzept der Freien Alternativschule Dresden e. V.; www.fas-dresden.de ) Die Gender-Frage taucht immer wieder auf. Zahlreiche Beispiele ließen sich noch ausführen. Diese Beobachtungen und Rückschlüsse daraus delegieren wir gerne an die Schulen.

Was wollt ihr?

Die Mühe der Entschleunigung und Verständigung lohnt sich, da die Ergebnisse Konflikten und Missverständnissen vorbeugen und letztlich individuell als gerechter empfunden werden.

Wichtig ist bei aller Auseinandersetzung, den persönlichen Vorteil einer bestimmten Inszenierung von »Junge« oder »Mädchen« zu erkennen, damit diese Ebene nicht im Hintergrund bleibt und dadurch Entwicklungen hemmt. Die Frage bleibt: »Was wollt ihr?« ■

Nicola Kriesel

lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Mutter von zwei Söhnen, die Freie Schulen besuchen, Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Freier Alternativschulen (BFAS) und arbeitet als Organisationsentwicklerin.

Jan Kasiske

hat zwei erwachsene Söhne, ist freiberuflicher Human-Resources-Trainer, Systemischer Berater, Moderator und Coach, war mehrere Jahre Vorstand an einer freien Schule in Berlin und ist z. Zt. Vorstand im Bundesverband »Gender-Diversity – für eine gender- und diversitysensible Bildung und Beratung«.

Literatur und Links

Michael Cremer & Jens Krabel: Gender Loops. Dissens e.V., 2008

Markus Theunert: Zeitschrift für Organisationsentwicklung und Change Management. 04/2014, S.42

INKOTA-Netzwerk (Hrsg.): Vom Süden Lernen. INKOTA-Netzwerk e.V., 2002

www.eduhi.at/dl/gekos-kriterien-online.pdf

www.gender-diversity.de

www.neue-wege-fuer-jungs.de

www.genderkompetenz.info/genderkompetenz-2003-2010/sachgebiete/bildung/schule/literatur.html

www.lizzynet.de

www.genderundschule.de

www.antjeschrupp.com

www.kleinerdrei.org

www.dasendedessex.de

vgl. Dr. Uta Enders-Dragässer/Claudia Fuchs: Interaktion der Geschlechter. Sexismusstrukturen in der Schule. Max-Traeger-Stiftung/Dieter Wunder (Hrsg.), Band 10, 1988