Ein Paar kann sich trennen – Eltern bleiben

Nach zwei gemeinsamen Kindern trennten sich Sebastian Gaigals und seine Frau. Trotz Trennung mussten sie einen geeigneten Weg finden, Elternpaar zu bleiben. Welche Erfahrungen machte er mit den Modellen des Lebens mit Kindern nach der Trennung?

Sebastian Gaigals

Residenzmodell, Wechselmodell, Nestmodell, Patchwork – Möglichkeiten des Zusammenlebens nach einer Trennung gibt es viele. Der Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt, und alles scheint möglich. Wichtig ist, herauszufinden, was zu einem passt, wie jeder als Elternteil weiterhin gut für die Kinder da sein kann und was in der Beziehung zum ehemaligen Partner möglich ist. Auch und gerade im Umgang mit den Kindern sind oder sollten Eltern in erster Linie gegenseitig Partner sein. Denn in den meisten Fällen sind Eltern auch noch nach ihrer Trennung vereint: als Eltern-Paar.

Beim Nestmodell wird der zu Zeiten anstrengende Wechsel von den Schultern der Kinder genommen. Ihn übernehmen die Eltern.

Da ich selbst vor knapp zwei Jahren mit solch einer Änderung in meiner Lebensplanung konfrontiert wurde, möchte ich im Folgenden von meinen Erfahrungen berichten, verschiedene Umgangsmodelle vorstellen und erörtern, sowie von den Möglichkeiten und Chancen berichten, die solch ein Schnitt im Leben mit sich bringen kann. Mag mein Erlebtes als Unterstützung, Mutmacher und Erleichterer zur eigenen Wegfindung dienen.

Trennungserfahrung

2013 – das Jahr der Veränderungen – zumindest in meinen Leben. Im Frühjahr zogen meine Frau, unsere zwei Töchter und ich in ein Dorf in Sachsen-Anhalt. Wir tauschten den Stadtlärm, gute Infrastruktur und die sechste Etage im Block gegen Ruhe, Abgeschiedenheit und Naturverbundenheit. Der Wesensunterschied der Kinder auf dem Dorf und in der Stadt war so gravierend für uns, dass wir uns zu diesem Schritt entschlossen. Das Landleben tat unseren Töchtern einfach nur gut. Sechs Monate später beendete meine Frau unsere Paarbeziehung und zog mit den Töchtern vom gemeinsamen Hof, den wir zum Glück noch nicht erworben hatten, über 30 km weit weg. Für mich brach eine Welt zusammen, und durch die Krise halfen mir ein tiefes spirituelles Erlebnis und eine dreimonatige Psychotherapie. Danach zog ich berufsbedingt 30 km in die andere Richtung und versuchte, mein Referendariat zu einem guten Abschluss zu bringen. Bedingt durch die Begleitumstände für den Umgang mit den Kindern, wurde ich von einem 24h-Papa zu einem Besuchs-Vater im Residenzmodell. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Macht für mich doch Vater-Sein nicht nur aus, über die Schulbildung und die Gesundheitsversorgung der Kinder zu bestimmen und sie alle zwei Wochen am Wochenende zu sehen. Ein Wandel und ein Umdenken setzten in meinem Leben ein. Vieles, was ich als selbstverständlich angenommen hatte, wurde einer gründlichen Prüfung unterzogen. So musste ich mir langsam eingestehen, das zweite Staatsexamen in der Lehrerlaufbahn vorerst auszusetzen, sowie meine Wohnsituation in der neuen, gemütlichen und – inzwischen – sehr lieb gewonnenen Stadt zu überdenken. Auch und vor allem meine Haltung meiner Ex-Frau und ihrem neuen Partner, sowie den Kindern und mir gegenüber zu überprüfen und auch meinen Status als Vater und diesen neu zu ordnen. Es ging bei mir mit einem Großreinemachen einher – einem inneren Weg und Prozess. Dieser Weg wird nach wie vor von mir beschritten, und der Prozess ist in vollem Gange – ob es zeitlebens noch zu einem Abschluss kommen wird, mag an dieser Stelle offen bleiben. Doch gab es dabei so viel Schönes zu erfahren und zu entdecken, dass ich mit Freuden davon berichte.

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