Kreativität & Bildung

Ein Kolumne von Melanie Brockmann

Die Wirtschaft ertrinkt. Die Kaufkraft sinkt. Und die Politiker schreien nach Abrüstung. Dafür rüsten jetzt die Eltern auf – die eigenen Kinder. Die Waffen: Chinesisches Kindermädchen, englisches Internat, Erlebnis-Geburtstagsfeiern und … ganz viel Kreativität! – Pfeil und Bogen in neuem Gewand von Mehrsprachigkeit, Auslandserfahrung, Networking und …

Wörter wie kreativ und Kreativität tauchen mittlerweile überall und in allen möglichen Zusammenhängen auf. In seinem Buch Kreativität – Letzte Hoffnung der blockierten Gesellschaft, fragt sich der Soziologe Thomas A. Becker, ob die moderne Gesellschaft nicht sogar einem regelrechtem Zwang zur Kreativität unterliegt, sichtbar u. a. durch ein überwältigendes Angebot von Innovationsworkshops, Kreativitätstechniken und kreativer Persönlichkeitsentfaltung. Dieser ›inflationärere‹ Gebrauch des Begriffs sei möglicherweise auf nichtgelöste Probleme zurückzuführen, die die moderne Gesellschaft in eine Art Starre versetze. Die Kreativität werde dabei als Mantra der Postmoderne zur schlafenden Ressource gekürt, die die blockierte Gesellschaft wieder ins Rauschen bringen soll.

Diese Starre hat sich aber bislang noch nicht gelöst, und es stellt sich die Frage, ob die Vielzahl von Kreativitäts-Angeboten der Gesellschaft liefern kann, was sie braucht: zukünftige, sehr kreative Menschen, die diese ermüdeten Industrienationen aus ihrer Zwickmühle befreien.

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