Alfie Kohn

Der Mythos des verwöhnten Kindes

Erziehungslügen unter die Lupe genommen

Beltz 2015, ISBN: 978-3-407-85757-6, 22,95 €

Alfie Kohn gilt als einer der Rebellen der amerikanischen Erziehungs- und Bildungsliteratur. Er enttarnt in seinen Büchern viele althergebrachte Vorstellungen. In Der Mythos des verwöhnten Kindes nun nimmt er traditionelle Erziehungsmythen aufs Korn.

Kohn zeigt, dass solche quer durch alle politischen und weltanschaulichen Lager vertreten sind. Selbst Eltern, die sich um liebevollen Umgang bemühen, teilen oft diese Grundannahmen. Und zwar ohne zu bemerken, dass sie sich oft selbst widersprechen: »Man setzt offenbar voraus, dass der geneigte Leser stillschweigend nickt und sämtliche Widersprüche übersieht, solange der Ton nur abwertend genug und der Blickwinkel traditionalistisch ist.«

»Früher war alles besser« zitiert er gleich zu Anfang eine oft wiederholte Behauptung über Kinder – und weist umgehend nach, dass die Klage über die missratende Jugend nicht neu ist.

Stets beruft er sich auf wissenschaftliche Untersuchungen, um diesen und weitere »Buhmänner« zu enttarnen. Zum Beispiel die zu nachgiebigen – permissiven – Eltern. Oft nicht hinterfragt: Eltern sind zu nachgiebig = Kinder werden verwöhnt. Überzeugend zeigt Kohn, wie diese Annahme zustande kommt, und dass es dafür keinerlei Beweis gibt, sondern eher im Gegenteil: Sehr kontrollierendes Elternverhalten führt dazu, dass Kinder ichbezogen oder gefühlskalt werden.

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