Das Kinderhaus des Ersten Antipädagogischen Clubs

Seit 1970 bis heute gibt es das Antipädagogische Kinderhaus in Wiesbaden. Einst von Ekkehard von Braunmühl mitbegründet, ist es bis heute eine Elterninitiative, in der Kinder von 1,5 bis 10 Jahren verweilen. Im Laufe der Jahre hat es sich verändert und Entwicklungen erlebt.

Areeg Alwan Mulhi

In einem Außenstadtteil von Wiesbaden folgt ein freistehendes Backsteinhaus dem anderen, während der Rhein keine 100 m vor der Haustür vorüberfließt. Das letzte Haus vor der Kreuzung ist heute der Sitz des Ersten Antipädagogischen Clubs. Gegründet wurde der APC 1970 von Ekkehard von Braunmühl, sowie von 25 weiteren befreundeten Familien, die ihre antipädagogischen Überlegungen in Form einer Elterninitiative einst in einem Haus im Stadtteil Sonnenberg umsetzten.

45 Jahre später ist dieses Kinderhaus mit großem Garten im Außenstadtteil Biebrich zu Hause.

Im Garten wächst ein duftender Fliederbusch, der weit über die Grundstücksmauer das Haus ziert. Der Eingang zum Grundstück befindet sich in einer Seitenstraße. Hinter dem blauen Tor beginnt das Spielplatzgelände, auf dem es turbulent zugeht. Turmartige Kletterkonstruktionen, wild verteilte bunte Spielsachen, Kinderfahrzeuge aller Art, Malkreide und dazwischen, darüber und davor geschäftige Kinder im Alter von 1,5 bis ca. 10 Jahren. Mal einzeln und mal als Kleingruppe im Freispiel. An einem Sandspielplatz mit Sonnensegel vorbei führt ein hölzerner Steg hin zum Haus mit kleinem Wintergarten, der konzeptionell als ein einsehbarer Entscheidungsraum genutzt wird. Möchte ich raus und mir lieber noch die Gummistiefel anziehen, die in einem Regal im Wintergarten bereitstehen, oder lieber doch ins Haus hinein?

Das Haus selbst gleicht einer Villa Kunterbunt. Holzkonstruktionen an der Decke verbinden Räume durch Kletterwelten. Jeder Winkel scheint belebt. Doch ergibt sich auch bald eine Ordnung. Die Einrichtung des Hauses wurde nach dem Prinzip von Funktionsräumen vorgenommen. So gibt es ein Kistenzimmer mit den persönlichen Kisten aller Kinder, ein Vorlesezimmer, den Essensraum und die Küche. Auf der zweiten Etage befindet sich das Kuschel-, das Bastel-, das Flugzeugzimmer – eher ein Theaterspielzimmer – und das Hausaufgabenzimmer. Und es finden sich in jedem erdenklichen Winkel, manchmal sogar unter Tischen oder in Kissenwelten verschanzte Kindergrüppchen, die alle hochkonzentriert ihren wichtigesten Dingen der Welt nachgehen.

Die Beteiligten

Da der APC aus Berufung und Überzeugung gegründet wurde, entstand ein mitmenschliches Zusammenleben mit Kindern (und anderen Menschen), das über den Terminus der Antipädagogik verdeutlicht wurde. Heute veranstalten alle Beteiligten Akquisen und Flyerakionen, Tage der offenen Tür, den Internetauftritt, Kinderflohmärkte und ähnliches, und tendenziell bleibt die Frage der Antipädagogik unbesprochen. Teils aus Unsicherheiten, teils aus Unaufgeklärtheit.

Durch das Herauswachsen der Gründer finden sich immer weniger Leute, die das einstige Konzept vor-leben können.

Die meisten Menschen assoziieren sofort Antiautoritäre Erziehung mit diesem Begriff. Leider wird an dieser Stelle die weitere Thematisierung und Begriffsdefinition gemieden, mit der sich abzugrenzen wäre. Statt dessen wird sich gestört am Wortteil »ANTI« und viele sind überzeugt, dass die heutige Pädagogik etliche Einsichten der Antipädagogik bereits einverleibt habe und damit die Antipädagogik in ihren Forderungen überholt sei. Dabei wird ausgeblendet, dass die Antipädagogik z. B. im Gegenzug zum hessischen Bildungsplan keine Endformulierungen kennt, zu welchem weiteren Zwecke den Kindern nun die eine oder andere förderliche Freiheit gewährt wird. Die Selbstbestimmung des Kindes steht an erster Stelle.

Die Eltern versorgen die täglichen Belange und Übernehmen mindestens zwei, Vierstundenschichten in der Woche inklusive anfallender Mehrarbeit. Einkaufs-, Koch-, Putz-, Hol- und Bringdienste sind geplant verteilt. Essensbesonderheiten und notwendige Medikamenteneinnahmen sind täglich schriftlich notiert. Das geleistete Rahmenprogramm beinhaltet alles rund um die Mahlzeiten, z. B. zweimaliges Eindecken des Tisches und das Versorgen des dreckigen Geschirrs, Ausflüge aller Art etc. Bei all dem werden je nach Geschehen und Gemüt Kinder in die Tätigkeitswelt der Erwachsenen einbezogen.

Das Team besteht aus fünf kompetenten Bezugspersonen, die je eine Teilzeitstelle besetzen. Sie beschäftigen sich mit Kindern oder führen Elterngespräche und sind gut ansprechbar. Sie übernehmen ebenso alle anfallenden Dienste. Dieses ganze Geschehen wird begleitet von einem wöchentlichem Plenum in den Abendstunden, Teamsitzungen sowie von Supervisionen, Seminaren und anderen Kulturereignissen. Durch die konzeptionell verankerte Mitwirkungspflicht der Eltern sind täglich viele erwachsene Bezugspersonen für die Kinder ansprechbar, weit mehr als es in gängigen Kindereinrichtungen der Betreuungsschlüssel verlangt. Zu bestimmten Zeiten sind fast alle für eine Weile da. Es wird versucht, mindestens drei Bezugspersonen auf zehn Kinder im Haus zu haben. Die Kinder bewegen sich ganz selbstverständlich und eigenmächtig im ganzen Areal.

Spielzeit ist Lebenszeit

Es ist das freie, selbstbestimmte Spiel der Kinder, durch das die Erwachsenen täglich erheblich an Lebenszeit statt Arbeitszeit gewinnen. Was also sonst tun inmitten von Kindern, die vertieft spielen, als auch zu spielen? Das Spielen führt dann Affinitäten, Neugier und Lernen ganz von allein zusammen und plötzlich formen z. B. Menschen plastische Figuren im Sand oder entdecken ganz anderes dabei, das weitertreibt in den herangetragenen Dingen und Ideen der Gruppe. Dieser Freiraum kann auch für »Erwachsene« ein Erholungsraum sein.

Diese Möglichkeit der Pflege und Erhaltung menschlicher Spielfähigkeit im Kinderhausalltag ist wohl der Keimling der Antipädagogik. Die Kinder im APC haben diesen Freiraum längst gemeistert und halten ihn lebendig und zugänglich. Der gewichtige Unterschied zwischen freiem Spielen und Vorspielen (ein Zurschautragen von Verhalten) wird hier wunderbar sichtbar.

Arbeitszeit vs. Lebenszeit

Der andere Teil der Arbeit wird von den »Erwachsenen« bestimmt. Zu jeder Zeit entwickeln sich Gespräche aus einer Mischung fachspezifischer und persönlicher Themen. Ein Erziehungsdiktat ist nicht zu erkennen. Es zählen persönliche Beweggründe und Haltungen. Die Alltagsgespräche sind von hohem persönlichen und reflexiven Wert und transportieren bisherige Erfahrungswelten.

Es treffen ganz unterschiedliche Familien aufeinander, die weder aus einem antipädagogischen Wirkungsfeld stammen, nur zum Teil. Kenntnisse oder auch kein Interesse daran besitzen. Die Familien entscheiden sich aus ganz unterschiedlichen Gründen und Vorstellungen heraus für dieses Haus, das zunächst einmal Raum bietet, eine Alternative in der Erziehungslandschaft zu erproben.

In der Unschlüssigkeit um das eigene Selbstverständniss benötigt der APC auch Familiennachwuchs. Getrieben von der Angst, dass der wahrgenommene Aufwand und die Dienste den meisten Eltern dann doch zu viel erscheint, in einem Leben, in dem die Vorstellung herrscht, Beruf und Familie, Selbstverwirklichung und Kinder seien zwangsläufig miteinander in Konkurrenz, nimmt der APC großzügig »Subkulturfremde« auf. Dabei stellt sich die Frage: Welche Kultur verleibt welche ein?

Die potenziellen Bewerber können meist ihre Lebenszeit im APC Kinderhaus kaum anders auffassen, als zusätzliche Arbeitsverpflichtung. So ermangelt das Kulturelle seiner treibenden Kraft, nämlich der wahrgenommenen Lebenszeit. Der APC ist eben auch ein Spiegel seiner Zeit und scheint mit den selben Problemen zu kämpfen, die Freie Schulen und Kindergärten allgemein haben, wenn die Gründer eine gesellschaftskritische Vision hatten.

Im Wandel der Zeit

Durch das Herauswachsen der Gründungsmitglieder finden sich immer weniger Leute, die das einstige Kinderhauskonzept vorleben können. Die Menschen im APC sind einer Vielzahl von Situationen ausgesetzt, in denen sie Stellung beziehen müssen. Authentisch Stellung zu beziehen scheint aber heute eine seltene Übung zu sein und was vielleicht einmal ehrgeizig eingeübte Kultur war, erscheint nun oft als unzumutbare Leistung nach Feierabend.

Der Zeitgeist ist geprägt von einem alles gleichmachenden Konformismus. Diese Tendenz äußert sich z. B. in der Ablehnung von Streitigkeiten und überhaupt der seltenen Konfrontation mit persönlichen Haltungen in Persona. Es bedarf der wohl seltenen Bereitschaft zur Selbstreflektion, wenn unter den heute eingeübten »Lebensprogrammierungen« noch Antipädagogik gelebt sein will.

Auf dem Spielplatzgelände des Antipädagogischen Kinderhauses in Wiesbaden geht es turbulent zu.

Nun lässt sich annehmen, dass zu Beginn die befreundeten Familien einem gemeinsamen Haltungskreise entsprungen sind; die Diversitäten innerhalb der Gruppe auf einer persönlichen Beziehungsebene zur Sprache kamen und ein freundschaftliches Spiel-, Streit-,- und Lernfeld entstand, das heute nachwirkt. Wo die Antipädagogik Begegnungen auf Augenhöhe bei größtmöglicher Authentizität einfordert, da ist eine Umgebung verlangt, die Raum für die Wahrnehmung der persönlichen Freiheiten achtet und die diese so manches mal, durch diesen gebotenen Freiraum in einer Kultur der Begegnung, erst zu Tage treten lässt. Ein jeder muss also bereit sein, sich zu fragen: Was brauche ich, damit ich mich ausdrücken und anderen begegnen kann? Und so ist es nun Aufgabe dort Sinnzusammenhänge zu finden, wo Uneinigkeiten bestehen.

Gewandelt hat sich auch das Plenum. Es war zeitlich unbegrenzt, aber durchaus ein wöchentliches Instrument. Die Beteiligten erlaubten sich damals, laut Erzählungen, weit mehr Lebenszeit im APC, mehr Wohlfühlen und Persönliches. Daher waren auch die Diskussionen ausschweifender. Es ergaben sich ganz andere Wege, die Selbstverständlichkeiten zu erledigen oder Fragen und Erfahrungen zur allgemeinen Diskussion zu bringen und Haltungen zu entwickeln.

Heute wird das Plenum unter der Einhaltung von zwei Stunden mit Schriftführung abgehalten. Im Plenum bleiben Themen und Konflikte oft unbearbeitet und unreflektiert, da viele keinen Eingang finden. Entweder sind es gruppendynamische Aspekte, die blockieren, oder persönliche Hürden, die nicht überwunden werden. Wo häufige Festlichkeit Anlass zu Aussprachen gaben, sind es heute Supervisionen und Seminare, die diesen Ausspracheraum versuchen zu substituieren und ihn zum Ausdruck bringen.

Ist der antipädagogische Gedanke vergessen, verfallen auch die Bezugspersonen allzu schnell in die Muster unserer Gesellschaft. Dabei wäre anzunehmen, dass sowohl die Lebenswelt der Kinder, als auch die der Erwachsenen, gerade in der Antipädagogik ausreichend Raum einnehmen dürfen und an diesem Ungleichgewicht also eine erste Störung und Belastung des Kinderhausgefüges abgelesen werden kann.

Was unterscheidet den APC heute von anderen Einrichtungen?

Der APC bietet einen Raum – ein zweiten Zuhause, eine Großfamilie, wie es Beteiligte oft formulieren– und gilt daher mehr als Lebenswelt denn als eine reine Kindereinrichtung. Die Bündnisse werden auch außerhalb der Räumlichkeiten gepflegt. Jeder erwachsene Beteiligter hat einen eigenen Schlüssel. Ein besonderer Raum ist geboten für eine ganzheitliche Begegnung der wirkenden Menschen in ihren Begründungen und Beziehungszusammenhängen. Aber ist dies ein Modell, das heute noch gesucht wird und von seinen Protagonisten umgesetzt werden kann, oder hat unser Zeitgeist diese Forderungen nach Freiräumen und Fähigkeiten persönlicher Entwicklung längst aufgelöst?

Wenn unter den Kindern gestritten wird, wird tendenziell nicht direktiv eingeschritten. Es werden keine Angebote gemacht, bei denen die Kinder teilnehmen müssen. Die Kinder wählen selbst, was sie tun wollen und wo sie dabeibleiben wollen. Die Spiele ergeben sich mehr aus Affinitäten als aus rituellen Gründen. So wird auch gemeinsam musiziert, aber eben weil es so geschieht und nicht weil es ein angeordneter Programmpunkt wäre. Es gibt keine Morgenrunden, stattdessen ein gemeinsames Frühstück. Der APC soll und kann laut Beteiligten ein Ort sein, an dem eingeübte Verhaltensmuster bewusst werden können und Bearbeitung finden. Es ist ein Lernort und abhängig von seinen Mitgliedern ein Ort der Lebens- und Familienkultur.

Strukturelle Hürden und gesellschaftlicher Wandel

Die Kinder Hessens werden einheitlich zu Ganztagsschülern herangezogen, und die heutigen Familien erblinden vor den Bedingungen kindlicher Entwicklung zwischen der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Konformitätszwang. Die Gesellschaft sucht keine Orte, wo sie ihre Zeit mit ihren Kindern erleben kann, sie sucht Orte um sie abzugeben, um die eigene Lebenszeit im Dienst des Gesellschaftsapparates zu verbringen.

An jener Stelle, wo einst alle Bezugspersonen gleichberechtigt ihren Raum einnahmen, häufen sich heute auf vielen Seiten Forderungen nach mehr gesellschaftskonformen Strukturen. Die aus Gesellschaftskritik erwachsene Kultur im APC soll nun spätestens seitens gesetzlicher Forderungen heute für Außenstehende nachvollziehbar sein. Eine Leitung, Qualitätsmanagement und z. B. die Führung von schriftlichen Aufzeichnungen über jedes Kind gehen damit einher. Auch eine Trennung der Bezugspersonen in »Fachpersonal« und »Eltern« wurde eingefordert und umgesetzt z. B. in Form getrennter Sitzungen.

Das 1970 gegründete Antipädagogische Kinderhaus beherbergt bis heute Kinder im Alter von 1,5 bis 10 Jahren.

Im APC gibt man sich nun bemüht, um nicht durch finanzielle Streichungen die Weiterexistenz zu gefährden. Und solche Gleichmachung geschieht, offenbar im Großen wie im Kleinen, auch im deutschen Sozialsystem und auch im APC, stets unter der Androhung existenzieller Enteignung. In seiner Folge materiell wie geistig.

Schichtabhängigkeit

Im APC sollten sich jene finden, die durch ihre Lebenseinstellungen im Sinne der Antipädagogik geeint sind. Aber es lässt sich heute die Tendenz zur Wohlstandsfamilie hin erkennen. Es wirft sich die Frage um Zugänglichkeit des hier gelebten Lebenskonzeptes für sozial oder finanziell schwächer gestellte Familien auf. Wo Sozialhilfe als soziale Hilfe angewendet werden konnte, gab es Zugänge für Familien die, ungeachtet ihrer finanziellen Puffer, ihre Lebenszeit mit anderen Prioritäten, als die der Geldwirtschaft zu verbringen wünschten.

Heute fallen diese Familien im APC weitestgehend weg. Denn an jener Stelle steht Hartz 4 mit seinen strengen Mitwirkungspflichten und durchaus geduldeten oder auch angeordneten Erschwernissen. Die Hilfeempfänger entscheiden sich eher dafür, einen oft herablassenden Umgang einzutauschen mit dem erstbesten Job, der die Familie existenziell ernährt. Damit einher geht die Abgabe des Kindes. Sein Kind, wie im APC üblich, über drei Monate durchaus täglich mitzubegleiten zur Eingewöhnung, ist damit eine als obsolet erklärte Begleitungsform und gesetzlich nicht vorgesehen für Eltern von über Dreijährigen. Die anfallenden Dienste im APC erscheinen dann als weitere unmögliche Utopie.

Wie weiter mit anti- pädagogischer Praxis?

Es ist offenbar die zunehmende Bürokratisierung der Gesellschaft (strukturell wie geistig), die der ehemaligen APC-Kultur den Nährboden entschwinden lässt und aus ehemalig antipädagogischer Praxis nur ein Abbild geltender Erziehungspraxis zu formen versucht, in der allerdings die Antipädagogik mit ihrer Gesellschaftskritik an Aktualität, Gültigkeit und Notwendigkeit nur gewinnt.

Ob dieser Weg weiterverfolgt werden kann ist, angesichts des sozialen Wandels und gesetzlicher Auflagen, eine Frage, die irgendwo im Spannungsfeld zwischen Haltung und Handlung der Beteiligten und der Entwicklung zivilisatorischer Werte, ihre Beantwortung erfahren kann. Und auch wenn die Haltung wieder klar und deutlich wird, müssen vielleicht gleichzeitig die Enteignungsinstrumente der Gesellschaft Bearbeitung erfahren, damit Subkulturen mit anderen Werten, als die des herrschenden Zeitgeistes, nicht davon einverleibt werden und verschwinden. Wo sind die gesellschaftlich unvorhergesehenen Freiräume heute zu finden?

Mit etwas mehr Spielfähigkeit als andernorts greift der APC noch auf Ressourcen zurück, die den Blick z. B. darin schärfen, einem Kindermenschen als solchen zu begegnen und ihn nicht, aus unreflektiertem Nachahmen des herrschenden Umgangs, als Mindermenschen zu behandeln. Es muss wohl immerwährend im Freispiel mit Strukturen und Subkulturen gespielt werden, bis sich ein kultureller Geist weiter ausbildet. So manche Eltern lassen trotz allem wissen: »Auch wenn es anstrengend ist, ist es noch die beste Entscheidung meines Lebens gewesen«. Die Kinder übrigens wissen ganz genau, was sie gerade vorhaben und welchem »Geist« sie gerade folgen, es ergibt sich aus dem Wahrnehmen und Begegnen ihrer Umwelt. ■

Areeg Alwan Mulhi

verbrachte ihre Kindheit hauptsächlich im Jemen und ihre Jugend in Deutschland. Sie studierte Sozialwesen. Sie ist Mutter und arbeitslos. Als Minijob leitet sie eine kleine Kinderkunstwerkstatt. Auf der Suche nach authentischen Nischen übernahm sie sechs Monate eine Krankheitsvertretung im APC Kinderhaus und fand die Antipädagog ik.