Co-Parenting – jenseits von Ehe plus Kind

Der Kinderwunsch ist in manchen Konstellationen nicht herkömmlich zu erfüllen. Um das doch zu ermöglichen, haben zwei Berlinerinnen die Onlineplattform Familyship ins Leben gerufen. Was ist die Idee dahinter, wie funktioniert sie, und wird sie angenommen?

Interview mit Christine Wagner, Mitgründerin des Onlineprojektes Familyship

Single, 39, noch kein Kind? Schwul, in Partnerschaft, mit dringendem Kinderwunsch? Mithilfe der Onlineplattform Familyship können Menschen mit Kinderwunsch jenseits der traditionellen Familienplanung ihren Wunsch erfüllen. Homosexuelle Paare, die einen biologischen Vater oder eine biologische Mutter suchen, Queer-Familien oder einfach Menschen, die auch ohne Partnerschaft ein Kind ins Leben begleiten möchten, haben es schwer, auf den bekannten Onlinepartnerschaftsbörsen eine passende Person zu finden, geschweigedenn auf einer Party oder an einer Bar. Christine Wagner und Miriam Förster eröffnen mit Familyship die Diskussion um alternative Familienmodelle. unerzogen sprach mit Christine Wagner über das Projekt.

Frau Wagner, seit wann gibt es Familyship?

Familyship wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im November 2011 gegründet – innerhalb von vier Wochen kam es von der ersten Idee zu unserer ersten registrierten Nutzerin.

Warum wurde das Projekt initiiert?

Wir waren damals ein lesbisches Paar mit Kinderwunsch. Ich wusste schon immer, dass ich Kinder haben wollte. Kurz vor meinem 30. Geburtstag wurde das Thema für mich plötzlich und unerwartet präsent. Es musste sein und zwar bald! Meine damalige Freundin wollte das zunächst auch. Nach einiger Diskussion war uns klar, dass wir einen aktiven Vater für unser Kind wollten, bestenfalls schwul. Wo wir diesen Mann nun aber finden sollten, wussten wir nicht. Wir recherchierten im Internet und fanden Samenspenderseiten, auf denen Männer Körpergröße und Schulabschluss angaben. Das kam uns unseriös vor und hatte nichts mit unserer Vorstellung von Familie zu tun. In unserem Freundeskreis gab es leider niemanden, der in Frage gekommen wäre. Dann gab es noch die Chiffre-Anzeigen im Schwul-lesbischen Stadtmagazin von Berlin. Bis wir dort zu einer Antwort kamen, von einem einzigen Mann, vergingen Wochen. Und dieses Treffen stellte sich als nichtig heraus. Dann gab es noch die Kinderwunschgruppe vom LSVD.

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