Think Outside the Box!

Ideen-ABC für Eltern, die auf Erziehung und Zwang verzichten wollen

(Teil 22)

Z wie Zähneputzen

Jetzt aber Hallo! Beim Zähneputzen hört es doch auf. Mit dem ABC und überhaupt – auch mit der Freiheit. Schließlich könnte hier Karies entstehen, es besteht eine unmittelbare Gefahr fürs Kind, die es abzuwenden gilt, da es mit 2, 3 oder 4 Jahren, oder aus unterschiedlichen Gründen auch, wenn es älter ist, die Spätfolgen weder vorhersehen noch abschätzen kann, die aus Nicht-Zähneputzen entstehen können. Oder? Das unerzogen Magazin kann Ihnen bei dieser kniffeligen Herausforderung selbstverständlich Tipps und Denkanstöße geben. Die Tipps »selbst Zahnbürste aussuchen lassen« sowie »lustige Sanduhr kaufen« haben Sie sicher schon gehört. Doch wenn Ihnen eine gute Zahnpflege wichtig ist, Ihr Kind sich aber weigert, hilft auch die lustigste Sanduhr nichts. Schauen wir mal über den Tellerrand!

Think Outside the Box

Bestandsaufnahme. Hatte Ihr Kind von Anfang an schlechte Zähne, die bereits vom Stillen angegriffen wurden? Haben Sie und das andere Elternteil schlechte Zähne? Es hilft, sich bewusst zu machen, womit man es hier zu tun hat. Wenn Sie beide gute Zähne haben, als Kind kaum Probleme hatten, Ihr Kind früh keine Anzeichen von schlechten Zähnen hat und Sie sich gesund ernähren, wollen Sie sich sicher gut überlegen, ob es sich lohnt, in Panik zu geraten, wenn Ihr Kind mal die Zahnbürste verweigert. Wenn Sie jedoch schlechte Zähne haben, oder Ihr Kind gleich von Anfang an Probleme zeigt, wollen Sie vielleicht zunächst an Ihrer Ernährung schrauben und einen freundlichen Kinderzahnarzt aufsuchen, der Sie beraten kann. Auch dieser gehört nämlich zu Ihrer Bestandsaufnahme. Suchen Sie sich Beratung, die Ihnen zuhört und die Wünsche nach einer zwangsfreien Umgebung für Ihr Kind ernst nimmt. Wechseln Sie den Zahnarzt rigoros, wenn Sie nicht zufrieden sind.

Vorbild sein – wie immer. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind sich plötzlich ein sonst-wie schmeckendes pieksiges Stöckchen in den Mund stecken lässt, nur weil Sie es sagen. Solange Ihr Kind noch keine Zähne hat, können Sie Ihr Kind an Ihrem eigenen Zähneputzritual teilnehmen lassen, an seiner eigenen Zahnbürste kann es gerne herum kauen, wenn es Interesse zeigt. In vielen Fällen wird alleine die Regelmäßigkeit der Gewohnheit dazu beitragen, dass es einfach ein ganz normaler Teil des Alltags wird.

Gemeinsam Putzen. Falls das Nachputzen Probleme bereitet, hilft es, wenn Sie sich mal von Ihrem Kind die Zähne putzen lassen. Das wird Sie erstens sensibilisieren dafür, wie unangenehm es ist, wenn dies jemand ohne Bedacht tut, und Sie können sich besser vorstellen, was wichtig ist, wenn Sie es bei Ihrem Kind tun: langsam ansetzen, nicht zu schnell hin und her fahren, wo sie den Kopf mit der anderen Hand stützen sollten etc. Gegenseitig gleichzeitig putzen ist auch lustig und lockert festgefahrene Situationen auf. In jedem Fall ist morgen auch noch ein Tag, falls Ihr Kind das Nachputzen verweigert. Wenn Sie Druck aufbauen, kann es nach hinten losgehen und das Gegenteil vom Gewünschten erzeugen.

Szenenwechsel. Es muss nicht unbedingt im Bad geputzt werden. Gerade wenn das Thema ein Streitpunkt geworden ist, kann ein Szenenwechsel nützlich sein. Im Wohnzimmer ist es auch OK. Ein zweiter Becher oder eine Schüssel kann auch zum Ausspucken verwendet werden. Wie wäre es mit dem Balkon? In der Badewanne? Auf der Küchentheke? Probieren Sie Orte aus, und wenn auch nur aus Jux – zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie die Problematik »langweilig« wichtig nehmen, Sie aber gleichzeitig die Problematik »Karies« ebenso wichtig finden – Sie brauchen also nicht locker zu lassen, wenn es darum geht, Lösungen zu finden. Nur Mut brauchen Sie, Quatsch zu machen, um die Spannungen zu lösen.

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