Welche Rechte haben Oma und Opa gegenüber ihren Enkelkindern?

Welches Umgangsrecht haben Großeltern mit ihren Enkeln, wer bekommt die Kinder im Todesfall der Eltern und was gibt es noch zu wissen als Eltern und Großeltern: Die wichtigsten Rechtsfragen rund um die Großeltern-Enkelkind-Beziehung.

Sandra Runge

Für die meisten Kinder gibt es kaum etwas Großartigeres, als Oma und Opa zu besuchen. Großeltern haben viel Zeit, Geduld und einen faszinierenden Schatz an Lebenserfahrungen, den sie ihren Enkeln gerne spielerisch weitergeben. In vielen Familien zählen Oma und Opa daher zu den wichtigsten und vertrautesten Bezugspersonen des Kindes. Doch nicht immer läuft es in der Großeltern-Eltern-Kind-Beziehung rund. Ob Meinungsverschiedenheiten zu Erziehungsfragen (»Bei Oma und Opa gibt es immer Schokolade, und ich darf so lange mit dem Tablet spielen, wie ich möchte!«), Streit über das Umgangsrecht der Großeltern (»Haben die Großeltern ein Recht darauf, regelmäßig mein Kind zu sehen, wenn ich das nicht möchte?«), die Übernahme einer Eltern-Ersatz-Funktion (»Unter welchen Voraussetzungen kann eine Großelternzeit beansprucht werden?«) oder eine mögliche Vormundschaft im Falle eines Schicksalsschlages (»Werden die Großeltern im Falles unseres Todes automatisch zu Vormündern unserer Kinder bestellt?«) – die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern ist geprägt von sehr bedeutsamen und komplexen rechtlichen Fragestellungen.

Im Konfliktfall gilt das Prinzip des Erziehungsvorrangs der Eltern

»Bei Oma und Opa darf ich das aber!« – diese und ähnliche Sätze bergen vermutlich das größte Konfliktpotential in der Beziehung zwischen Großeltern, Eltern und Kindern. Bei unterschiedlicher Auffassung zu Erziehungsfragen gilt das »Prinzip des Erziehungsvorrangs« der Eltern – selbst dann, wenn den Eltern das Sorgerecht ganz oder teilweise entzogen worden ist. Die Erziehung der Kinder ist gemäß § 1631 Abs. 1 BGB Recht und Pflicht der Eltern und wichtigstes Element der elterlichen Personensorge. Im Ergebnis gilt daher: Die Eltern entscheiden im Konfliktfall, wie viel Schokolade das Kind essen darf und wann das Tablet heruntergefahren wird, aber auch dass es in Ordnung ist, wenn das Kind den Teller nicht leer isst.

Großeltern haben ein Enkel-Umgangsrecht

Ein Streit über das Umgangsrecht gehört zu den wohl schwierigsten und emotionalsten Konflikten in der Großeltern-Eltern-Kind Beziehung. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt in § 1685 Abs. 1 ausdrücklich, dass Großeltern ein Recht auf Umgang mit ihrem Enkelkind haben, wenn dieser dem Wohl des Kindes entspricht. Damit würdigt das erst zum 1. Juli 1998 im Zuge der Kindschaftsrechtsreform eingeführte Gesetz die besondere Beziehung zwischen Großeltern und Kindern.

Sollten die Eltern den Umgang verweigern, was häufig nach einer Trennung oder Scheidung der Fall ist, kann er von den Großeltern beim Familiengericht eingeklagt werden. Dabei müssen die Großeltern im Streitfall darlegen und beweisen, dass der Umgang dem Kindeswohl entspricht. Die bloße Verwandtschaftsbeziehung genügt dafür nicht: Entscheidend ist, dass eine bereits gewachsene Bindung zwischen Kind und Großeltern besteht und deren Aufrechterhaltung für die Entwicklung des Kindes förderlich ist. Nach der Rechtsprechung dient der Umgang in der Regel nicht dem Kindeswohl, wenn unüberbrückbare Zerwürfnisse oder empfindliche Störungen der Beziehung zwischen Eltern und Großeltern bestehen.

Großelternzeit, Großelterngeld und Familienpflegezeit

Artikel weiterlesen?

Kauf die aktuelle Ausgabe oder schließ ein Abo ab, um alle Ausgaben zu lesen.

Du bist bereits Abonnent oder hast das Heft gekauft und besitzt ein Benutzerkonto?