Was sagt man da?

Vorbild, Beispiel, Liebe und sonst nichts … oder? Wenn es um Umgangsformen – oder auch Manieren – geht, kann sich diese Ansicht schnell ändern. Wenn der Sprößling sich nicht für ein Geschenk bedankt oder vergisst, einen Guten Tag zu wünschen, fühlen sich Eltern unwohl, weil sie befürchten, es fiele auf sie zurück, und verfallen in Erziehungsmuster. Aber was tun in solchen Fällen?

Jan Hunt

»Dein Sohn ist so höflich«, sagte ein Freund einmal, als Jason fünf Jahre alt war.

Ich strahlte. Es fühlt sich an, als wäre ich diejenige, die gelobt worden ist, dabei habe ich ihm nie diese Fertigkeiten beigebracht. Es war der Pädagoge John Holt, der mich gelehrt hat. Aus seinen Büchern wusste ich, dass alles, was ich tun musste, war, ein Beispiel an Freundlichkeit zu sein (besonders an Freundlichkeit Jason gegenüber), das er nachahmen konnte. Wenn es um soziale Fähigkeiten geht, ist Vorbildsein alles, was erforderlich ist. Das Einfordern freundlichen Verhaltens durch Zwang oder Strafe ist selbst unfreundlich, so kann es langfristig nicht funktionieren – es führt nur dazu, das Kind zu verwirren und zu frustrieren. Und doch sehen das viele Eltern nicht. Kindern wird in unserer Kultur üblicherweise so misstraut, sie werden derart missverstanden und falsch behandelt, dass Unfreundlichkeit Kindern gegenüber normal zu sein scheint. Erwachsene behandeln selten einander in der Art und Weise, wie sie Kinder häufig behandeln, weil sie ihre Freundschaften schätzen. Was würde geschehen, wenn ein Erwachsener auf die Weise behandelt werden würde, wie viele Kinder behandelt werden?

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