Muss es denn immer Brei sein?

Um den sechsten Lebensmonat herum bekommen Babys meist Appetit auf mehr als nur Milch. Herkömmlicherweise beginnen nun viele Eltern mit Brei zuzufüttern. Es geht aber auch ohne Brei. Wie geht das und welche Mythen ranken sich um die breifreie Beikosteinführung?

Karolina Marques Pereira

Als es bei uns in Richtung Beikoststart ging, hatte ich mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Eine Frage, die mich beschäfigte: Wieso muss ich meinem Kind Möhren- oder Pastinakenbrei zum Beikoststart geben? Ich selbst mochte noch nicht mal Möhren und Pastinaken. Der Gedanke, meinem Kind den eintönigen Brei zu geben, missfiel mir. Ich beschloss, es anders zu machen, und mein Kind zeigte mir auch schnell, wie es sein sollte. Nach knapp 5 ½ Monaten begann sie, das Essen sehr spannend zu finden, das wir auf dem Tisch hatten. Sie griff nach allem, was auf unseren Tellern lag, und untersuchte es gleich mit Hand und Mund. Ich stellte mir gleich selbst die Frage, ob das nicht viel natürlicher sei, sich die Welt der verschiedenen Geschmacksrichtungen und Nahrungsmittel auf diese Weise zu erschließen und zu begreifen, als nur einen einfarbigen und eintönigen Brei zu schlucken. Meine Hebamme und Kinderarzt bestärkten mich in meiner Entscheidung, unser Kind weiter nach Bedarf zu stillen und Speisen vom Tisch mitessen zu lassen. Nach einigen Recherchen stieß ich auf Gill Rapley, eine britische Hebamme, die dieser Beikostform den Namen »Baby-Led Weaning«, abgekürzt BLW gab. Übersetzt bedeutet es so viel wie »Baby gesteuertes Zufüttern« oder »Selbstbestimmtes Abstillen«. Diese Form der Beikost ist in dem Sinne kein neues von ihr entwickeltes Konzept, sondern nur eins, das durch enorme Werbemaßnahmen der Breihersteller in Vergessenheit geratene Form der Beikost. Denn bevor die Welt der Beikost von Ernährungsfahrpläne und Breigläschen gelenkt wurden, bekamen die Kleinsten gleichermaßen wie es bei BLW der Fall ist, die gleichen Speisen vom Tisch, die alle Familienmitglieder aßen.

Ich entdecke die Welt, so wie sie mir gefällt

Schnell fand unsere Tochter heraus, dass die Dinge, die in unserem Mund verschwanden, gut schmecken und auch satt machen. Natürlich war es jetzt besonders wichtig, dass vitamin- und mineralstoffreiche Kost auf dem Tisch kam, damit sie gesund Heranwachsen konnte. Ich kramte in alten Kochbüchern und begann, neue Rezepte zusammenzustellen. Es war jeden Tag aufs Neue eine Freude, dem eigenen Kind beim Essen zuzusehen und zu beobachten, mit welcher Begeisterung sie die verschiedenen Lebensmittel entdeckte. Es wurde in den Händen zerdrückt, daran gelutscht, ausgespuckt und erste Kau- und Schluckversuche angestellt. Kartoffelpüree, Spinat, Brokkoliröschen, Kartoffeln und Fisch boten sich gerade in den ersten Wochen gut an und waren auch sehr beliebte Speisen, denn diese sind im gedünsteten Zustand leicht zu essen und gut zu greifen. Selbstgemachte Müsliriegel oder Gemüsenuggets, weiches Obst oder Gemüse waren immer wieder willkommene Snacks, die sich gut für unterwegs mitnehmen ließen.

Eltern, für die es fremd war, seinem Kind von gerade mal sechs Monaten selbst die Entscheidung über die Wahl, Zeitpunkt und Menge seiner Nahrung zu überlassen, stellten sich viele berechtigte Fragen, die nach fundierten Antworten verlangten. Aus der Literatur, eigener Erfahrung und auch aus Berichten anderer Eltern, die ihre Kinder ebenfalls breifrei ernährt haben, kann ich auf folgende Gegenargumente und Fragen wie folgt antworten.

»Das geht doch gar nicht, das Baby hat doch noch keine Zähne. Wie soll es denn wirklich vom Tisch mitessen?«

Ja, das ist richtig. Mit sechs Monaten haben nur die wenigsten Babys einige Zähne, und trotzdem kann ich sagen, dass die Technik der Nahrungszerkleinerung wunderbar mit den Zahnleisten und der Zunge erfolgt. Die Muskulatur wird mit jedem Essensversuch immer stärker, dass selbst eine Honigmelone nicht das geringste Problem darstellt.

»Darf ein Baby denn wirklich alles vom Tisch mitessen?«

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