Lasst sie machen!

Eine Kolumne von Sabine Reichelt

Schule, Lehre/Studium, Auszug, Zusammenziehen, Schwangerschaft … so oder so ähnlich läuft es bei vielen ab. Und bis zum ersten Kind ist die Beziehung zu den eigenen Eltern häufig von distanzierter Nähe geprägt: Man trifft sich auf Familienfeiern, ruft sich höchstens wöchentlich an und lässt sich einmal im Jahr zu einem gemeinsamen verlängerten Wochenende überreden. Gemeinsamkeiten bestimmen den Umgang miteinander, Trennendes fällt eher unter den Tisch, wird totgeschwiegen. Bis das erste Enkelkind das jahrelang eingespielte Gefüge kräftig durchschüttelt.

Frischgebackene Eltern erleben es häufig, dass sie besonders im ersten Jahr ihre eigene Erziehung, ihr eigenes Aufwachsen und damit das bisherige Familiengefüge infrage stellen. Plötzlich erscheint das häufige (eigentlich ständige) Einmischen der Mutter in persönliche Belange nicht mehr als putzige, oft nervige Angewohnheit, sondern als dauerhafte Kritik an der eigenen Kompetenz, ja gar Persönlichkeit. Wer jetzt nicht behutsam miteinander umgeht, riskiert heftige Streitigkeiten und Differenzen. Wer sich aber so im Aufbruch befindet, hat für alles andere Augen, nur nicht für Behutsamkeit.

Die Großeltern spüren das heftige Loslösen natürlich auch, erleben ihr eigenes Kind im Umgang mit dem Enkelkind, beim Aufbau einer Familie, beim Aufziehen eines Kindes, das auch noch von anderen Werten geprägt ist, als das, was man selbst praktizierte.

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