Warum der Kaiserschnitt kein Klacks ist

Der Kaiserschnitt ist in der Geburtshilfe weit verbreitet. Tendenz steigend. Vielen betroffenen Frauen ist im Vorfeld nicht bewusst, was die Sectio caesarea eigentlich bedeutet. Dass es sich dabei um eine schwere Bauchoperation handelt. Mit Folgen verschiedensten Ausmaßes.

Interview mit Mag. Judith Raunig

Mag. Judith Raunig, klinische Psychologin und Gesundheitspsycho login aus Österreich, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Kaiserschnitt und seinen Folgen. Sie unterstützt Frauen, die mit ihrem Kaiserschnitt-Erlebnis im Unreinen sind.

Seit Ihrem eigenen Kaiserschnitt-Erlebnis sind Sie quasi Spezialistin auf diesem Gebiet und haben es sich zur Aufgabe gemacht, andere Mütter mit ähnlichem Erlebnis zu begleiten. Können Sie kurz schildern, was die häufigsten Gründe von Kaiserschnitt-Müttern sind, Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Frauen leiden oft darunter, wie der Kaiserschnitt abgelaufen ist – dass zum Beispiel über ihren Kopf hinweg entschieden wurde, sie zu wenig liebevolle Unterstützung erfahren haben, sie unter Druck gesetzt wurden oder sie mit der Entscheidung zum Kaiserschnitt einfach komplett überrumpelt worden sind. Mütter haben oft das Gefühl: »Ich habe mein Kind nicht geboren, das hat jemand anders gemacht, ich habe nichts beigetragen, zu wenig geleistet.« Nach der Geburt können Frauen oft nicht sofort eine enge Bindung zum Kind aufbauen, was häufig auch physiologische Gründe hat–, aber Frauen beziehen diesen Umstand auf sich und machen sich dafür selbst Vorwürfe, nach dem Motto: »Ich bin eine schlechte Mutter, wenn ich nicht sofort in den allseits propagierten Liebesrausch verfalle«. Leider habe ich momentan auch etliche Frauen in Behandlung, bei denen es Komplikationen während der OP gab, wo also zum Beispiel die PDA nicht ausreichend gewirkt hat.

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