Licht am Ende des Tunnels (Teil 1)

Über psychisch kranke Eltern und die Situation ihrer Familien zu sprechen, ist ein Tabu, dass sich erst langsam zu lockern beginnt. Dabei ist es wichtig für Betroffene und Angehörige, darüber zu sprechen. Dieser zweiteilige Artikel zeigt, welche Auswirkungen psychische Erkrankungen der Eltern auf Familien haben und wie damit umgegangen werden kann.

Dr. Katja Rose

In den letzten Jahren ist erfreulicherweise eine zunehmende Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen zu beobachten. Prominente bekennen sich zu Depressionen oder Suchterkrankungen und teilen ihren Leidensweg – was dazu führt, dass Menschen über diese Probleme eher sprechen können. In den Medien sind psychische Erkrankungen Thema, fast jeder kennt jemanden, der betroffen ist und sich getraut hat, es mitzuteilen. Es ist nicht mehr ganz so schambehaftet wie noch vor einigen Jahren, in Psychotherapie oder zum Psychiater zu gehen, und so steigt die Zahl derer, die sich behandeln lassen, langsam an.

So erfreulich diese Entwicklung ist, sie ist noch nicht weit gediehen: Einerseits betrifft sie nicht alle psychischen Erkrankungen gleichermaßen – über Depressionen zu sprechen ist leichter geworden, aber Suchtstörungen oder Schizophrenie sind nach wie vor stark schambehaftet, und Erkrankte werden diskriminiert. Andererseits scheint die Enttabuisierung noch nicht für die betroffenen Familien zu gelten. Eltern mit psychischen Erkrankungen kommen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht vor, und Kinder, deren Eltern unter einer psychischen Erkrankung leiden, fühlen sich durch die Sprachlosigkeit der Eltern und der Umgebung weiterhin verpflichtet, die Störung geheim zu halten – und somit auch mit ihrer Bewältigung allein zu bleiben. Die mangelnde Wahrnehmung der Tatsache, dass auch psychisch Erkrankte Eltern sind, schlägt sich auch in der Behandlung wieder: Es werden zumeist Einzelpersonen therapiert, aber es wird nicht gesehen, dass es die gesamte Familie betrifft. Oder es wird gesehen, aber es gibt keinen Rahmen für die Mitbetreuung der Kinder. So kommt es, dass sich niemand zuständig fühlt und dass vor allem die mitbetroffenen Kinder keinerlei Ansprechpartner haben. Das heißt aber auch, dass die erkrankten Eltern mit ihren Sorgen, die die Kinder und ihr eigenes Elternsein betreffen, allein bleiben und diese in der Behandlung der Störung nicht ausreichend berücksichtigt wird.

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