Der Schüler macht den Lehrer

Kommentar von Eberhard Schulz

Lehrer seien die »Prügelknaben der Nation«, heißt es manchmal. In der Tat wird viel auf die Lehrer geschimpft. Ein unterschwelliger Grund dafür mag sein, dass die Schule ihrem Wesen nach allzu oft auch heute noch ein in sich diktatorisches System ist, ein System von Befehl und Gehorsam, in dem das Prinzip »Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt« gilt. Auch wenn die Gewalt heute nicht mehr als Rohrstock daherkommt, ist sie doch ungebrochen wirkmächtig in Gestalt von Zensuren. (Zum Vergleich: In einem demokratischen System gilt: »Eine Zensur findet nicht statt« [Art. 6 Abs. 1 S. 3 Grundgesetz].) Die meisten von uns haben zudem eigene Erfahrungen mit dem System Schule erlitten. Und konnten wir es schon damals den Lehrern nicht heimzahlen, so beteiligen wir uns denn heute mit Genuss an der allgemeinen Lehrerschelte, ist doch schließlich der Lehrer das persönliche Gesicht, mit dem sich das System Schule identifizieren lässt. Anders ist kaum zu erklären, dass der Film »Die Feuerzangenbowle« und das Theaterstück »Frau Müller muss weg« sich anhaltend so großer Beliebtheit erfreuen (in letzterem bekommen allerdings auch die Eltern ihr Fett weg).

Ich gebe zu, ich habe mich selbst in diesem Sinne früher des Öfteren als »Schulehasser« bezeichnet. Umso mehr hat es mich anfangs überrascht, dass mir seit einigen Jahren immer mehr Erinnerungen an einzelne Lehrer ins Gedächtnis kommen, die mich an diese Menschen mit Achtung, Respekt und sogar mit Dankbarkeit denken lassen. Auch manche Lerninhalte aus der Schule sind mir bis heute parat, und das gefällt mir ganz gut. (Wie viele ich daneben vollständig vergessen habe, kann ich natürlich nicht vergleichen.) Und schon die Breite des Lehrangebots in der Schule (von Sprachen über Naturwissenschaften, Erd-, Heimat- und Sachkunde, Künste in verschiedenen Erscheinungsformen bis hin zum Sport) wirkt im Vergleich zur Eintönigkeit des Berufslebens eigentlich doch äußerst bunt und attraktiv.

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