Licht am Ende des Tunnels (Teil 2)

Im ersten Teil des Artikels über psychisch kranke Eltern wurden Statistiken benannt und die Ängste psychisch kranker Eltern thematisiert. Im zweiten Teil geht es stärker um die Kinder: Wie nehmen sie die Erkrankung der Eltern wahr, welche Unterstützung hilft ihnen, was wünschen sie sich und wie lässt sich mit ihnen über die Erkrankung der Eltern sprechen?

Dr. Katja Rose

Die meisten Kinder sind mit ihren Eltern emotional eng verbunden. Daher merken sie schon früh, wenn psychisch kranke Eltern in eine Krankheitsphase rutschen und sich ihr Befinden verschlechtert. Ein Kind bemerkt vielleicht, wie sich die depressive Mutter oder der Vater immer mehr zurückzieht, oft müde ist, seltener aufräumt oder nicht mehr kocht. Das Kind eines Elternteils mit Psychose kann steigende Verwirrung und Misstrauen beim Elternteil bemerken. Teilweise sind die Veränderungen der Eltern in Krankheitsphasen so stark, dass Kinder die Eltern als fremd oder sogar unheimlich erleben. Besonders beängstigend für Kinder sind Suizidalität (wenn ein Elternteil nicht mehr weiterleben möchte) und das Einbeziehen von Kindern in Wahnsysteme (wenn das Elternteil beispielsweise glaubt, nur die Tochter könne es vor Verfolgern retten und müsse es daher rund um die Uhr begleiten und schützen). Die Kinder können die Veränderungen ihrer Eltern ohne Hilfe von außen nicht einordnen. Daher sind sie ängstlich und verwirrt: Warum ist Mama plötzlich so anders? Was ist mit Papa los? Oft erleben sie die Situation als unkontrollierbar, sich selbst als machtlos und ausgeliefert.

Wenn es zu Klinikeinweisungen kommt, ist dies zwar einerseits eine Entlastung, wenn es dem Elternteil vorher sehr schlecht ging, andererseits sind die Umstände der Einweisung oft dramatisch, sodass die Kinder sie als traumatisch erleben können. Es kann sein, dass sie sich alleingelassen fühlen und sich fragen, wie zuverlässig das erkrankte Elternteil für sie da sein kann. Oder sie haben Zweifel daran, ob die Mutter in der Klinik wirklich gut aufgehoben ist. Kann sie in dieser Zeit auf ihre helfende Tochter verzichten? Diese Fragen tauchen auch ohne Klinikaufenthalte auf, aber sie werden dadurch noch einmal vermehrt angestoßen. Dies kann dazu führen, dass das Vertrauen in den psychisch erkrankten Elternteil nachhaltig gestört wird. Manchmal ziehen sich Kinder dann emotional zurück und wirken scheinbar unbeteiligt, sie sind teilnahmslos und apathisch. Andere Kinder werden wütend und fallen in der Schule oder im Kindergarten als aggressiv auf. Oft bekommen sie erst dann Hilfe, wenn sie selbst stark auffällig sind – dabei hätten sie sehr viel früher welche gebraucht.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass Bezugspersonen, die die Kinder versorgen, während ein Elternteil in der Klinik ist, die Kinder beruhigen und mit ihnen darüber sprechen, warum der Vater in der Klinik ist, dass es der Mutter dort gut geht usw.

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