Crowd Birthing: Geburt reine Privatsache?

Gebären während eine größere Gruppe Verwandter und Freunde zuschauen, ist ein neuer Trend, der sich langsam auch nach Deutschland ausbreitet. Was steckt hinter dem Schlagwort »crowd birthing«: Ist es eine harmlose Modeerscheinung oder steckt mehr dahinter?

Birgit Baader

Vor etwa einem Jahr fragte mich eine Freundin: » Was hältst du eigentlich von crowd birthingCrowd funding war mir ein Begriff, aber crowd birthing ? »Das ist ein neuer Trend, bei dem Mütter eine ganze Schar von Freunden und Angehörigen zur Geburt einladen und/oder ihre Geburt live über social media verbreiten«, klärte sie mich auf. Aha. Eine kurze Google-Suche ergab, dass das Phänomen noch neu und daher relativ unerforscht ist. Keine Langzeitstudien zu potentiellen Nebenwirkungen. Massenpsychologie ist überhaupt ein eher stiefkindlich behandeltes Thema.

Da ich selbst eher ein Massenflüchtling bin, fand ich die Vorstellung einer solchen Geburts-Party nicht unbedingt attraktiv. Kann die Mutter, umgeben von einer crowd oder mit Facebook-updates beschäftigt, sich auf sich selbst konzentrieren, mit dem Kind inneren Kontakt halten und völlig loslassen?

Ich muss gestehen, dass ich diesem neuen Trend eher skeptisch gegenüberstand. Obwohl ich beruflich viel mit Medien aller Art zu tun habe, habe ich eine tief sitzende Abneigung, was social media und die zunehmende Technologisierung unseres sozialen Umfeldes und unserer Kultur angeht. Die ganze »sharing culture«, die von den sozialen Medien angefeuert wird, finde ich oft ziemlich abstrus und – belanglos. Zwar lebe ich die meiste Zeit des Jahres am »anderen Ende der Welt« (in Neuseeland) – und ohne Internetverbindung könnte ich weder mit meiner Familie und mit Freunden engen Kontakt halten noch meine Ideen und Worte mit Lesern auf der ganzen Welt teilen. Andererseits betrachte ich es kritisch, wenn Kinder stundenlang vor Bildschirmen sitzen, um zu lernen, zu lesen, Spiele zu spielen, mit anderen zu kommunizieren. Wenn alte Fähigkeiten und praktisches Wissen verloren gehen, weil Computer die ganze Arbeit übernehmen. Oder wenn ich meine Mitmenschen im Restaurant, am Flughafen, im Zug oder an der Supermarktkasse gebannt auf den kleinen Screen starren und tippen sehe – anstatt dass sie sich direkt miteinander unterhalten oder sich anlächeln. Und nun also auch noch »Geburt online – live und in Echtzeit«?

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