Gelebte Bildungsfreiheit feiern

Zum vierten Mal fand im September das Schulfrei-Festival statt. Knapp 700 Menschen kamen zusammen, um über mehrere Tage hinweg, Bildungsfreiheit zu feiern, sich zu begegnen und auszutauschen. Ein persönlicher Festivalbericht.

Jessica Rempf

Nun begann es wieder das Schulfrei-Festival, zum vierten Mal, wie immer an einem Donnerstag Anfang September. Und ich war noch nicht da. Es gab verschiedene Gründe, aber der der letztendlich zu der Entscheidung führte, war meine jüngste Tochter Jara und mein Bedürfnis die Fahrt zum Festival mit ihr zusammen zu genießen. Sie hatte ihre erste Lehrgangsfahrt – Technisches Zeichnen – mit ihrer Tischlerei-Berufsschulklasse. Schon spannend mich mit meinen Bedürfnissen wieder an Schulterminen orientieren zu müssen. Natürlich wäre ich gerne von Anfang an dabei gewesen. Ich habe schließlich auch was zu feiern: über 10 Jahre Freilerner-Mama-Sein und zwei Töchter ins eigenständige Leben losgelassen. Beide haben einen Ausbildungsplatz mit wenig Schullaufbahn und ohne Schulabschluss bekommen, obwohl es genug andere Mitbewerber mit Schulabschlüssen und Berufsbildungsgrundjahr mitsamt Empfehlungen der Berufsschullehrer gab. Das ist doch ein guter Grund um auf dem Schulfrei-Festival zu feiern, oder?

Zeichen setzen

»Wir wollen ein eigenes Zeichen setzen!«, höre ich in meinen Erinnerungen die jungen, erwachsen gewordenen, in Selbstbestimmung geübten Freilerner an einem von den ersten bei uns zu Hause stattgefundenen Vorbereitungstreffen zum ersten Schulfrei-Festival sagen. Ja, das ist ihnen gelungen. Jedes mal und dieses Mal auch wieder. Wie viele Impulse wieder in die Welt hinausgegangen sind und verbreiten, dass es auch in einem Land mit Schulpflicht bereits existierende, erfolgreiche und schulfreie Bildungswege gibt, konnte keiner so genau zählen. Wie viele Kinder haben am Montag im Morgenkreis ihrer Schule erzählt, dass sie am Wochenende auf dem Schulfrei-Festival waren? Wie vielen Menschen in der Bahn oder beim Trampen wurde erzählt, dass er oder sie gerade auf dem Weg zum Festival oder zurück ist? Wie vielen Interessierten wurde Mut gemacht, ihren eigenen Weg ins Freilernen zu finden? Wie viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben Zugehörigkeit und Bestärkung erfahren? Nur weniges konnte in Zahlen sichergestellt werden, wie z. B. die 120 Kleidungstücke, die siebbedruckt mit Schulfrei-Festival-Logo, »The world is my classroom«, »Septre. Für das Recht sich frei zu bilden«, und »Wildwuchslernen« ihren zukünftigen Trägern übergeben wurden. Hunderte Postkarten mit dem Satz »Ich würde lieber lernen, als zur Schule zu gehen.« wurden zum Verteilen mitgegeben. Ein Fernsehbeitrag wurde gefilmt. Ja, viele Zeichen wurden gesetzt!

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