Inklusion ist, wenn keiner mehr darüber spricht

Kommentar von Eberhard Schulz

Den in der Überschrift zitierten Satz sage ich immer dann, wenn mir Inklusionsbestrebungen zu bemüht, zu technokratisch oder zu aufgesetzt und angeordnet daherkommen. Wenn Inklusion gemacht werden soll. Inklusion als eine Anstrengung, die wir ganz bald geschafft haben müssen! Das Jugendamt verlangt es! Und die Politik auch! – Dann denke ich: Solange wir mit diesem Begriff fechten müssen wie zur Rechtfertigung, haben wir alles mögliche, nur keine Inklusion. Inklusion ist, wenn sie kein Thema mehr ist.

Wenn also z. B. eine junge Frau, die sich lange mit einer ADS-Diagnose herumschlug, ehe ihre Epilepsie entdeckt wurde, der Sohn des Leiters einer weltbekannten Institution der Stadt, eine minderjährige Mutter, eine Beschäftigte aus einer geschützten Werkstatt, ein mutmaßlich hochbegabter Realschüler mit Sinti-Vorfahren, eine gerade aus der Psychiatrie entlassene junge Frau, eine angehende Logopädin, eine Schülerin, die das Schauspiel-Studium anstrebt, sowie ein einigermaßen theaterkundiger Brillenträger, der mit seinem Alter überhaupt nicht zu den anderen passt, miteinander Theater spielen (ist genauso vorgekommen und war auch noch richtig gut!) – und keiner von all denen dabei an Inklusion auch nur denkt, sondern jeder nur ans Theaterspielen …

Wenn es so ist, dann sollte auf der letzten Seite dieses Heftes auch nicht mehr von Inklusion die Rede sein. Ich fange also mal ganz anders an:

»Nie wieder Sozialismus!« – Ich weiß nicht mehr, wo ich das irgendwann gelesen habe. Wahrscheinlich war es ein Wahlplakat der CDU zur Bundestagswahl 1990, nach dem Zusammenbruch der DDR mit ihrem »real existierenden Sozialismus«. Den wollte jetzt keiner mehr. Also, jedenfalls die CDU/CSU nicht. Und die gewann dann ja auch die Wahl. Gerade im Osten.

Artikel weiterlesen?

Kauf die aktuelle Ausgabe oder schließ ein Abo ab, um alle Ausgaben zu lesen.

Du bist bereits Abonnent oder hast das Heft gekauft und besitzt ein Benutzerkonto?