Partizipation im Alltag mit Kindern als selbstverständliches Recht

Laut Sozialgesetzbuch sind Kindern partizipatorische Rechte in Kindereinrichtungen zuzugestehen. Im Alltag erscheinen Theorie und Praxis jedoch häufig sehr unterschiedlich. Was bedeutet es, Kinder mitbestimmen zu lassen im Alltag? Wie kann das konkret aussehen? Ein dreistufiges Modell kann das Wie erleichern.

Lothar Klein

Was sich niemand heute mehr so richtig vorstellen kann, habe ich, 1950 geboren, noch erlebt: Eine Kindheit ohne Rechte. Damals war es selbstverständlich, dass Kinder zu schweigen haben, wenn Erwachsene reden, dass Kinder ohne Widerspruch (!) zu gehorchen haben, dass Kinder geschlagen werden dürfen und geschlagen wurden. Auch ich wurde geschlagen mit der Hand und mit dem Kochlöffel. Alle Kinder in meiner Grundschulklasse kannten das und für uns alle war das nichts Außergewöhnliches. Die Zeiten, in denen Kinder vollkommen rechtlos waren sind vorbei. Wir stehen heute vor dem nächsten großen Schritt in Richtung Gleichwürdigkeit, den Schritt von der formalen Partizipation hin zur gleichwürdigen Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern.

Die rechtliche Situation

Der Gedanke, Kinder an allen sie betreffenden Angelegenheiten zu beteiligen ist uralt. Reformpädagoginnen und -pädagogen wie Élise und Célestin Freinet, Paul Geheeb, Paulo Freire oder Janusz Korczak haben schon zu Anfang des letzten Jahrhunderts »Kindern das Wort« gegeben, wie es Freinet ausdrückte. Im Jahr 1989 folgte die UNO-Deklaration über die Rechte der Kinder (seit 1992 in Deutschland in Kraft), in der u. a. Beteiligungsrechte formuliert sind. Im 1990 verabschiedeten »Kinder und Jugendhilfe Gesetz« (KJHG) heißt es im § 8: «Kinder und Jugendliche sind an allen sie betreffenden Entscheidungen … zu beteiligen.« Es folgten die Bildungspläne, in denen zwar mit unterschiedlicher Gewichtung aber doch ausnahmslos Partizipation für Kinder festgeschrieben ist. Seit ein paar Jahren kommt auch die Diskussion über ein Wahlrecht für Kinder wieder in Schwung.

Vor allem aber hat die seit 01.01.2012 gültige Änderung des Sozialgesetzesbuchs dem Recht der Kinder auf Beteiligung nachdrücklichen Auftrieb gegeben. Dort heißt es im § 45 SGB VIII:

»Erlaubnis für den Betrieb einer Einrichtung

(1)Der Träger einer Einrichtung, in der Kinder oder Jugendliche […] betreut werden […], bedarf für den Betrieb der Einrichtung der Erlaubnis. […]

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