Alltag statt Zahltag

Der Zeitgeist des gesellschaftlichen Wettlaufs um die besten Plätze ist nicht von der Hand zu weisen. Verunsicherte Eltern wenden sich zunehmend den verschiedensten Dienstleistungen und Materialien zur optimalen Förderung ihrer Kinder zu. Begleitet von der Hoffnung, am Ende dann auch entsprechende Ergebnisse zu sehen. Doch liegt die Lösung viel näher: im Alltag.

Jens Daniel

Der Begriff der »Förderung« ist im pädagogischen Kontext weit verbreitet und dennoch unklar definiert. Grundsätzlich lässt sich dabei eine positive Absicht unterstellen. Ein Mensch soll begleitet und unterstützt werden, um beispielweise spezifische Entwicklungsschritte vollziehen oder einfach nur bestimmte Interessen ausleben zu können. Doch stellt sich die Frage, ob sich hinter dem Prinzip der Förderung nicht mehr verbirgt, nicht jeweils bestimmte Absichten stehen, die den vermeintlich förderungsbedürftigen Menschen letztlich im Hintergrund verschwinden lassen.

Bilden fördern

Offensichtlich steht jedwedes Förderungskonstrukt dem Verständnis von Bildung als Selbst-Bildung entgegen. Um ein Fördersetting zu schaffen, scheinen allgemein mindestens zwei Menschen miteinander interagieren zu müssen. Deren Beziehung wird durch ein Gefälle gekennzeichnet. Es sind beispielsweise die Eltern, Erzieherinnen oder Therapeutinnen, die ein Kind zu fördern versuchen. Die Erwachsenen handeln dabei zielgeleitet und in aller Regel planvoll. Ihnen wird ein aktiver Part zugesprochen, mit der Aufgabe, das bestmögliche aus dem Kind herauszuholen. Diese Eltern oder Erzieherinnen würden kaum auf die Idee kommen, sich durch ihre Zöglinge in ihrer Kommunikationsfähigkeit oder Feinfühligkeit fördern lassen zu wollen. Tatsächlich lernen das junge Eltern ganz nebenbei in der täglichen Interaktion mit ihren Kindern.

Dass letztlich eine Ungleichheit zwischen Erwachsenen und Kindern besteht, ist offensichtlich. Der Bildungswissenschaftler Gerd E. Schäfer benennt dies darin, dass Erwachsene den kindlichen Zugang zur Alltagswelt regulieren. Sie bieten ihnen entsprechende Erfahrungsmöglichkeiten an und nehmen damit direkt oder indirekt Einfluss auf die Entwicklung deren sachlichen Interesses an der Welt.

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