Wir lernen, was wir wollen!

Das ABC erläutert zentrale Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Demokratischen Schulen genannt werden. (Teil 4)

Martin Wilke

D wie Demokratie

Neben der Freiheit des Einzelnen, sein Lernen und seinen Alltag selbst zu bestimmen, ist Demokratie die zweite große Säule Demokratischer Schulen. Und sie ist auch das, was Demokratische Schulen von vielen Alternativschulen unterscheidet.

Demokratie bedeutet Selbstregierung und Selbstverwaltung der Gemeinschaft durch ihre Mitglieder. In ihr sind die Menschen keine Untertanen, über die nach Belieben geherrscht werden kann, sondern sie sind freie Individuen, die gemeinsam über ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten entscheiden. Jedes Mitglied der Gemeinschaft ist eingeladen, daran mitzuwirken. Die Macht geht von der Bevölkerung bzw. den einfachen Mitgliedern aus. Entscheidungen kommen nicht von oben herab (top-down), sondern von unten (bottom-up), von der Basis. Regierungen, Vorstände und andere mit Macht ausgestattete Personen oder Gruppen werden auf Zeit gewählt und können wieder abgewählt werden.

Allgemeines und gleiches Stimmrecht

In einer Demokratie gilt der Grundsatz: Alle, die von den Entscheidungen betroffen sind, dürfen mitentscheiden. In einer Schule sind dies in erster Linie Schüler jeden Alters und die Mitarbeiter. Eltern sind von den Schulregeln und anderen Entscheidungen nicht direkt bzw. nur am Rande betroffen, da sie im Schulalltag nicht anwesend sind. Sie haben daher in den meisten Demokratischen Schulen kein Stimmrecht in der Schulversammlung.

Die Stimme eines 6-jährigen Schülers zählt genauso wie die eines 16-jährigen oder eines Mitarbeiters. Der Fähigste und Sachkundigste hat genauso nur eine Stimme wie jemand, der allein aus dem Bauch heraus entscheidet. Das gleiche Stimmrecht ist Ausdruck der Gleichberechtigung aller Beteiligten.

Eine paritätische Besetzung eines Gremiums wäre eine Verletzung des gleichen Stimmrechts. Eine Festlegung, dass Schüler und Mitarbeiter jeweils ihre eigenen Vertreter wählen und das Gremium jeweils zur Hälfte aus Mitarbeitern und zur Hälfte aus Schülern bestehen muss, betrachtet Schüler und Mitarbeiter nur als Angehörige ihrer Gruppe, nicht als Individuen. Die Stimme des einzelnen Schülers, der seine Vertreter wählt, zählt dann nicht so viel wie die Stimme des einzelnen Mitarbeiters, der seine Vertreter wählt.

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