Hilfen für Mütter: Zwischen Überlastung und Burn-out

Mütter sind gefordert, oft rund um die Uhr. Gerade wer bedürfnisorientiert und erziehungsfrei mit den Kindern umgehen möchte, steht großen Herausforderungen gegenüber und muss aufpassen, nicht auszubrennen und die Akkus wieder aufzutanken. Freunde, Familie, Babysitter, KiTa, KiGa und Co, das sogenannte Dorf – es scheint selbstverständlich und gehört doch mit hinein.

Lena Busch

Kleine Menschen zu begleiten, und das auf eine gleichwürdige Art, ist einfach sehr viel. Es ist fordernd. Anstrengend. Es ist eigentlich zu viel für die derzeitige Form der Kleinfamilie. Deswegen braucht es Hilfe, Unterstützung. Hilfe kann »freiwillig« erfolgen oder bezahlt. Es ist wichtig, dass diese Form der Hilfe auch tatsächlich unterstützend ist. Viele erleben das gerade in diesen »Dorf«-Teilen nicht so, sehen sich da mit alten Glaubenssätzen und Mustern konfrontiert. Ziel darf sicherlich sein, diese aufzulösen und da zu einem Miteinander zu kommen. Aber gerade im Moment der Hilfsbedürftigkeit, wenn die Kraft ohnehin nachlässt, ist es wichtig, dass dieses Umfeld auch tatsächlich unterstützend ist. Das heißt nicht, immer nur »recht zu geben«, aber es ist sinnvoll, wenn im Grundsatz bei den wichtigsten Dingen eine gewisse Einigkeit besteht. Bei einigen Familien gibt es allerdings die Hürde, bei Verwandten, Bekannten, öffentlichen Einrichtungen nicht immer einen Umgang auf Augenhöhe wiederzufinden, sodass sie sich oft sehr lange allein behelfen müssen. Aber oft tut Hilfe not – und der Wunsch nach Unterstützung und Vernetzung ist da.

Auf folgende Möglichkeiten und Ideen können Mütter und ihre Familien zurückgreifen – präventiv oder im Notfall, von Geburt an.

Hebamme

Die Hebamme ist meist der erste Ansprechpartner für Mütter nach der Geburt. Im Idealfall kennt die Mutter sie bereits in der Schwangerschaft und hat die Geburtsvorbereitung und einen Teil der oder die ganze Vorsorge bei ihr gemacht. Vielleicht hat sie die Geburt begleitet. Hebammenleistungen der gesetzlichen Krankenkassen nach der Geburt sind neben der Rückbildung die Betreuung in den ersten zehn Tagen nach der Geburt sowie bis zu 16 Besuche während der ersten acht Wochen (Mutterschutzfrist). Begrenzt auf Stillprobleme ist eine Abrechnung des Hebammenbesuchs bis zum Ende der Stillzeit möglich. Ein Vertrauensverhältnis zur Hebamme ist wichtig – schließlich begleitet sie in den intimsten Momenten und Räumen. Daher ist die Hebamme oft auch Ansprechpartnerin bei den Themen, die nicht originär mit der Geburt zu tun haben, bekommt Probleme und Sorgen oft früh mit und kann ggf. weitere Hilfen empfehlen. Anzeichen einer postpartalen Depression können von der Hebamme bereits früh vermutet werden und entsprechende Hilfsangebote unterbreitet werden.

Wellcome

Die gemeinnützige GmbH bietet, wie eine Art organisierte und bezahlte Nachbarschaftshilfe, an 250 Standorten in Deutschland »praktische Hilfe nach der Geburt« zum Übergang in den Alltag mit Baby. Sie kann von allen Familien mit Baby im ersten Lebensjahr in Anspruch genommen werden. Die Unterstützung erfolgt durch Ehrenamtliche, die wiederum von den Standortbetreuern (ausgebildete Sozialpädagogen etc.) betreut und vermittelt werden. Sie kommen an 1-2 Tagen in der Woche und unterstützen bei allem, was im Alltag anfällt, ob Arztbesuch oder Spielen mit dem Geschwisterkind. Die Kosten liegen bei etwa 5 EUR pro Stunde, allerdings sind hier Ermäßigungen möglich. Außerdem gibt es Patenschaften für Familien in Not. Zu finden unter www.wellcome.de .

Schatten und Licht

Der 1996 gegründete Verein Schatten und Licht e. V. ist eine Selbsthilfe-Organisation zu peripartalen psychischen Erkrankungen und Mitglied in einem weltweiten Netzwerk zur postpartalen Depression und Psychose. Der Verein verfügt über einen wissenschaftlichen Beirat. Auf www.schatten-und-licht.de gibt es neben sehr umfangreichem Informationsmaterial und einem großen Forum zum Austausch Listen von Selbsthilfegruppen und Beraterinnen, Fachleuten/Therapeuten, geeigneten Mutter-Kind-Kliniken und Netzwerken sowie (auf dem Postweg, nach Einverständniserklärung) eine Kontaktliste Betroffener. Ein Test zur Selbsteinschätzung bezüglich Depressionen ist ebenfalls auf der Internetseite verfügbar.

Der Verein Schatten und Licht hilft bei psychischen Problemen wie postpartaler Depression.

Frühe Hilfen

Der Begriff »Frühe Hilfen« wurde in den 70er-Jahren von der Frühförderung geprägt und wird in unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitssystems oder der Kinder- und Jugendhilfe verwendet. Auf der Website des Nationalen Zentrums für Frühe Hilfen liest sich das Selbstverständnis so: »Frühe Hilfen bilden lokale und regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfsangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren mit einem Schwerpunkt auf der Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen. Sie zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern.« Grundlegend sind Angebote, die sich an alle (werdenden) Eltern mit ihren Kindern im Sinne der Gesundheitsförderung richten (universelle/primäre Prävention). Darüber hinaus wenden sich Frühe Hilfen insbesondere an Familien in Problemlagen (selektive/sekundäre Prävention). Auch die Familienhebammen sind hier angesiedelt – sie gehen bis zu einem Jahr nach der Geburt des Kindes in die Familien, unterstützen bei der gesundheitlichen Versorgung und leisten dort psychosoziale Unterstützung. Die Familien-Gesundheits- und Kinder-Krankenpfleger stärken die Kompetenz von Familien insbesondere mit behinderten oder chronisch kranken Kindern, Frühgeborenen, Kindern mit Regulationsstörungen und bei anderweitig belastenden Lebenssituationen. Aufklärung der Eltern, zum Beispiel zur motorischen Entwicklung und zum entwicklungsfördernden Umgang mit ihren Kindern, gehören dazu. Hier sind Hausbesuche oder die Begleitung zu weiteren Angeboten möglich.

Emotionelle Erste Hilfe

Die Emotionelle Erste Hilfe (EEH) ist ein körperorientiertes Verfahren, welches in der Krisen- und Entwicklungsberatung sowie in der vorbeugenden Psychotherapie mit Eltern, Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt wird. Der Ansatz hat seine Wurzeln in der körperorientierten Psychotherapie sowie den Erkenntnissen der moderne Gehirn- und Bindungsforschung. Auf dieser Grundlage wurde die Emotionelle Erste Hilfe in ihrer heutigen Form in den 90er Jahren von dem Bremer Psychologen und Körperpsychotherapeuten Thomas Harms entwickelt. Zunächst ging es hier hauptsächlich um die Unterstützung mit »Schreibabys«. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die EEH auch darüber hinaus unterstützen kann, so z. B. beim Aufbau einer liebevollen Verbindung zum ungeborenen Kind oder Baby oder bis ins Kleinkindalter hinein, emotionale Unterstützung in schwierigen Situationen unter der Geburt, Traumabegleitung von Eltern und Baby nach entsprechenden Belastungen rund um die Geburt. Die Emotionelle Erste Hilfe ist keine Kassenleistung. Beraterinnen im D-A-CH-Raum können gefunden werden unter: emotionelle-erste-hilfe.org/content/beraterinnen

Bei chronischen Krankheiten können Familien- helfer Hilfe bieten.

Mütterpflegerin und FamilienLotsin:

Die Mütterpflegerin kann vorrangig in der Schwangerschaft oder nach der Entbindung zu Hause betreuen, bei medizinischer Indikation auch darüber hinaus. Sie unterstützt mit der Pflege des Babys, der Organisation des Haushalts, kümmert sich um ältere Geschwister und versorgt die Mama mit Massagen und Co. Mütterpflegerinnen sind speziell ausgebildet und u. a. von Hebammen geschult, deren Arbeit sie ergänzen können. Die Abrechnung erfolgt ganz oder teilweise über die Haushaltshilfenregelung der Krankenkassen. Mütterpflegerinnen vor Ort können unter www.muetterpflege.de oder inzwischen teilweise auch über www.gfg-bv.de gesucht werden.

Haushaltshilfe

Die Haushaltshilfe ist eine Krankenkassenleistung des Sozialgesetzbuches und als solche ist sie auch die Basis für die Mütterpflege. Sie kommt aber auch im Krankheitsfall zum Einsatz, auch als sog. Notmütterdienst, den es in manchen Städten gibt. Haushaltshilfe umfasst alle Tätigkeiten, die zum Führen eines Haushaltes gehören, wie z. B. Kinderbetreuung, Essenszubereitung, Wohnungsreinigung, Kleiderpflege etc. Der Umfang der Leistung richtet sich nach dem jeweils individuellen, tatsächlichen Hilfebedarf. Kann der Haushalt noch teilweise weitergeführt werden oder ist zu bestimmten Zeiten die Haushaltsführung durch eine andere Person des Haushalts möglich (z. B. Wochenende, Urlaub des Lebenspartners), so werden die Leistungen nur in eingeschränktem Umfang gewährt. Institutionen wie die Caritas können Haushaltshilfen vermitteln. Im Einzelfall werden die Kosten für eine selbst beschaffte Ersatzkraft in angemessenem Umfang erstattet (§38 Abs. 4 SGB V). Als angemessen gelten hier Kosten von 8 € pro Stunde bzw. 64 € je Tag. Eine Haushaltshilfe wird für maximal 8 Stunden und im besonderen Ausnahmefall (haushaltsführende und erkrankte Person ist alleinerziehend) für max. 10 Stunden pro Tag genehmigt. Außer bei einer Haushaltshilfe wegen Schwangerschaft oder Entbindung fallen pro Tag Zuzahlungen an.

Familienhelfer

Bei chronischen Krankheiten (teilweise auch Depression) sowie bei anderen Schwierigkeiten in der Familie wird von den Krankenkassen auf die sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) verwiesen, deren Träger das Jugendamt ist. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst pädagogische und alltagspraktische Hilfen. Durch die Betreuung und Begleitung der Familienhilfe soll die Familie die Fähigkeit zur Problemlösung und Alltagsbewältigung gewinnen oder wiedergewinnen. Die Aufgaben sind Erziehungsberatung, Partnerberatung, Einzelberatung, Hausaufgabenbetreuung, Anleitung bei der Arbeit im Haushalt, Unterstützung bei der materiellen Lebenssicherung, Unternehmungen (Aktivitäten) mit Eltern und Kindern und Inanspruchnahme ergänzender Institutionen (Tagesbetreuung, Schuldnerhilfe etc.). Kritische Punkte können sein: Sie nimmt einen starken Einbruch in den familiären Intimbereich, die SPFH kommt oft unter Druck von außen zustande, sie arbeitet in einem emotionalen Spannungsfeld. Es müssen Parteilichkeiten, Ambivalenzen und Ablehnungen bewältigt werden und sie kann das eigene Problemlösungspotential der Familie weiter schwächen

Mutter-Kind-Kur/Vater-Kind-Kur

Sie ist eine Maßnahme zur Vorsorge und Rehabilitation für Mütter (oder Väter) und ihre Kinder und wird von den Krankenkassen getragen (normalerweise alle vier Jahre, in besonderen Fällen bereits nach drei Jahren wieder). Die Dauer beträgt drei Wochen, Verlängerungen sind bei medizinischer Notwendigkeit möglich. Therapiebestandteile sind medizinische und ärztliche Behandlung, Bewegung, Gruppen- und Einzelgespräche, psychologische Beratung, Entspannungsverfahren, Ernährungsberatung. Für die Kinder gibt es Betreuung in Gruppen, teilweise altersunterteilt, für schulpflichtige Kinder mit sog. »schulunterstützendem Unterricht«. Die Kinder können sowohl als Begleitkinder mit dabei sein als auch als Therapiekinder selbst Anwendungen haben. Eine ärztliche Empfehlung ist notwendig. Der Antrag erfolgt dann entweder direkt bei der Krankenkasse oder über eine Vermittlungsstelle wie das Müttergenesungswerk. Generell ist eine Zuzahlung von 10 €/Tag zu leisten. In einzelnen Kliniken ist eine Begleitperson bei 3 und mehr Kindern oder 3 Kindern unter 5 Jahren kostenlos möglich. Die Aufenthalte und Gruppengestaltungen sind in den einzelnen Kliniken unterschiedlich organisiert, teilweise als kurgangszugehörige Gruppe, teilweise mit laufend möglichem Einstieg. Eingewöhnungen in der Betreuung sind natürlich aufgrund der Kürze der Zeit nur begrenzt möglich, insofern ist gerade bei sehr kleinen Kindern auch abzuwägen, was machbar ist und nicht noch mehr Stress bereitet – aber auch, was zur Gesunderhaltung oder zum Gesund werden der Mutter notwendig ist. Es lohnt, sich gut über die Wunschkliniken zu informieren. Wenn die Erkrankung der Mutter im Vordergrund steht, ist eine reine Mütterkur eine mögliche Variation. Die Wartezeiten sind leider auch hier mittlerweile lang. Seit 2007 handelt es sich um eine Pflichtleistung der Kasse. Eine Variation der Mutter-Kind-Kur ist die Familienkur mit beiden Elternteilen als Kurpatienten. Die Genehmigung einer Familienkur erfolgt jedoch meist nur bei schwerer Erkrankung (z. B. Krebs) eines Kindes oder nach einem Todesfall.

Kinder- und Jugendtelefon, Eltern-/Sorgentelefon »Nummer gegen Kummer«

Unter der bundesweit gültigen Nummer 0800 – 111 0 550 (für Kinder und Jugendliche 116111) können Eltern anonym und kostenlos anrufen und Probleme mit ehrenamtlichen, speziell ausgebildeten Unterstützern besprechen. Wer von einer Festnetznummer aus anruft, wird direkt an die nächstgelegene Niederlassung durchgestellt, die im Bedarfsfall weiterführende Hilfen vor Ort vermitteln oder nennen kann. Inzwischen sind die Elterntelefon-Niederlassungen auch mit den Frühen Hilfen vor Ort vernetzt. Beim Kinder- und Jugendtelefon ist außer der telefonischen auch E-Mail-Beratung sowie das Telefonat mit ehrenamtlichen Helfern im Alter zwischen 16 und 21 Jahren möglich.

Erziehungsberatung

Über Caritas und andere Anbieter gibt es in den meisten Städten kostenlose Erziehungsberatung, an die man sich im Bedarfsfall wenden kann. Wie der Name sagt, trifft man dort nicht unbedingt auf erziehungsfreie Pädagogen oder Psychologen, aber im Einzelfall ist natürlich auch das möglich. Unter www.bke.de sind auch Online-Angebote für Eltern und Jugendliche verfügbar, deren Inanspruchnahme anonym erfolgen kann.

Private Familienbegleiter, Babykurse, Elternkurse, starke Eltern-starke Kinder, Trageberatung und Co.

Dies kann niedrigschwellige Unterstützung im Alltag für Fragen und Austausch sein. Das Angebot ist groß. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, von welchem Bild vom Kind und welcher Art der Kinderbegleitung Kurskonzept und Kursleitung ausgehen.

Psychologen, Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie

Manchmal ist eine weitergehende Behandlung angezeigt, wenn sich beispielsweise eine Depression manifestiert. Bei Übernahme durch die gesetzlichen Kassen für eine Therapie gilt: Es muss sich um einen approbierten Psychotherapeuten handeln, im Normalfall mit sog. Kassensitz (es steht meist dabei, welche Patienten übernommen werden können). Auch für ambulante Therapien gibt es leider oft lange Wartezeiten. Die ersten fünf sog. probatorischen Sitzungen werden immer von der Kasse gezahlt, damit man feststellen kann, ob die Zusammenarbeit gut passt. Wenn nachgewiesen werden kann, dass man sich bei mehreren Therapeuten vergeblich um einen Therapieplatz bemüht hat, werden Therapien teilweise auch bei Therapeuten ohne sog. Kassensitz übernommen, wenn man dort eher einen Platz bekommt. Die Leistungen eines Heilpraktikers oder Heilpraktikers für Psychotherapie werden i. d. R. nur von privaten Kassen übernommen. Eine Online-Beratung ist nur in sehr eingeschränktem Rahmen als »Hilfe zur Selbsthilfe« möglich; hier ist darauf zu achten, dass der Therapeut über das entsprechende Siegel des BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen) verfügt.

Virtuelle Vernetzung führt oft zu regionalen Treffen und Gruppen im »real life«.

Coaching

Oft ist keine Therapie nötig oder angezeigt. Auch kann Coaching eine Therapie im Verlauf unterstützen. Coaching hilft, den eigenen Weg und die eigenen Ressourcen zu finden und zu aktivieren. Im Unterschied zur klassischen Beratung werden keine direkten Lösungsvorschläge durch den Coach geliefert, sondern die Entwicklung eigener Lösungen wird begleitet. Coaching wird privat bezahlt und von ausgebildeten Coaches oder Psychologen angeboten oder auch von Menschen, die ihren Erfahrungshorizont wiedergeben, es gibt keine zwingende Akkreditierung in Deutschland.

Osteopathie, manuelle Therapie, spezielle Orthopäden

Nicht jeder »glaubt« daran, aber oft sind Babys durch die Geburt oder die Lage im Bauch »verspannt« oder haben sog. Blockaden. Das Baby begibt sich in eine Ausgleichshaltung oder kann den Kopf nicht komplett drehen. Teilweise fällt auch eine Gesichtsasymmetrie oder eine starke »C-Stellung« auf. Manchmal ist auch gar nichts auf Anhieb zu sehen, sondern die Verspannung/Blockade äußert sich in starkem, häufigen Weinen, wenig Schlaf oder Schwierigkeiten beim Stillen. Wenn sich diese im Bereich der Atlaswirbel befindet, wird von einer »kopfgelenk-induzierten Symmetrie-Störung« gesprochen. Wird das KiSS-Syndrom im Säuglingsalter nicht behandelt, kann als Folgeerscheinung das sogenannte KiDD-Syndrom auftreten. KiDD-Syndrom bedeutet Kopfgelenk-induzierte Dyspraxie/Dysgnosie. Dyspraxie heißt, die Fähigkeit zum Ausführen erlernter Bewegungen ist trotz vorhandener Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit nicht vorhanden, Dysgnosie steht für eine gestörte Wahrnehmung. Bei Kindern im Schulalter kann sich die Symptomatik hin zu Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten, Wahrnehmungsstörungen, Hyperaktivität oder Aggressivität, Kopfschmerzen und Haltungsschwächen verlagern, beim Erwachsenen zu Rückenschmerzen u. ä.. Hierfür wird i. d. R. ein Röntgenbild gemacht, bevor eine manuelle Drucktherapie an den Halswirbeln erfolgt. Die Krankenkassen erkennen die Diagnose KiSS/KiDD aufgrund fehlender Studienlage meist nicht an. Die sanftere Methode, die Osteopathie, wird meistens auf Antrag von den Kassen bezahlt.

Virtuelles Vernetzen mit regionalen Treffen

Es gibt mittlerweile zu fast jedem Thema ein Forum oder eine Gruppe, oft gut zu finden über Social Media. Der virtuellen Vernetzung folgen oft regionale Gruppen oder Treffen.

Eltern-Kind-Büro/Mütterteams

Das sind Zusammenschlüsse mit anderen Müttern/Eltern, um sich z. B. reihum zu treffen, ggf. abwechselnd zu arbeiten und einfach nicht alleine »zuständig« zu sein. Mehrere Familien tun sich zusammen. In einer Größenordnung von zwei bis sechs Familien lässt sich auch gut noch in privaten Räumen treffen oder in einem Familienzentrum oder ähnlichem. In seinem eigenen Tempo entscheidet das Kind, wann es auch ohne Mama Kontakt zu anderen aufnimmt, dann kann Mama (oder Papa) auch mal nach nebenan gehen. Auch das sich von anderen trösten lassen oder frustrierende Situationen auflösen, geht in diesem Kontext oft relativ schnell – die Sicherheit ist immer da: Mama ist nebenan. So kommen auch sehr kleine und sehr bedürfnisstarke Kinder rund eine Stunde – mal mehr, mal weniger – gut klar, und dann auch wiederholt, wenn sie nach dieser Zeit mal zwischendurch wieder ein bisschen Mama tanken können. Gleichgesinnte finden sich auch hier über das Internet oder durch örtliche Aushänge.

Lieferdienste

Wer schon mal mit Babyschale ablehnendem Säugling Auto fahren wollte, weiß: Hilfreich können auch Lieferdienste sein. Im Ernährungsbereich gibt es inzwischen einiges: neben dem Lieferdienst des örtlichen Supermarkts (in Städten z. B. www.rewe.de ) oder Getränkelieferanten kann das eine Obst- oder Biokiste sein ( www.gemuesekiste.de ) oder Essen auf Rädern (über die örtlichen sozialen Dienste wie Caritas ) oder tatsächlich vorgekochtes gesundes Essen für das Wochenbett wie bei www.gesundundmutter.de (vielleicht auch eine schöne Geschenkidee?). ■

Lena Busch

geboren 1974, ist Mutter dreier, soweit möglich, freilernender Kinder, Abteilungsleiterin im Finanzwesen, freie Fachjournalistin und seit sieben Jahren Elternbegleiterin in Attachment-Parenting-Themen. Ihr besonderes Interesse gilt dem gemeinsamen Wachsen und dem Blick über Tellerränder. Mehr über sie unter www.lenabusch.de.