Das Mutterschaftsgespenst

Eine Kolumne von Sabrina Sailer

Mit zarten 24 Jahren wurde ich dieses Dings, dieses »Mutter«. Unbelastet, unreflektiert – und vergleichsweise ahnungslos. Das war ganz gut so, denn die Tochter hat schnell und zielgerichtet dafür gesorgt, dass ich mir Gedanken machte. Über Rollen, Ideen und Aufgabenverteilungen grübelte. Stillend auf dem Sofa. Tragend auf dem Feldweg. Kuschelnd im Bett. Soviel Haut-an-Haut, soviel Selbstaufgabe und Hinten-an-Stellen in so wenig Zeit.

Für jemanden wie mich – geborene »Ossi«, sozialisiert in der späteren Bundesrepublik, aufgewachsen in der gutbürgerlichen Mittelschicht, mit gutem Abi, Studium im »Irgendwas mit Medien«-Feld – da muss es mehr geben. Sagt die Gesellschaft, sagt mein eigenes Herz- und Bauchgefühl. Also hieß es: selbstständig werden, Mutter bleiben. Wir wagten das Spiel erneut, da war ich 27 – der Sohn kam dazu und machte uns komplett.

Die Gedanken bleiben, auch beim zweiten Kind, mit mehr Erfahrung und Sicherheit: Was ist das, mit dem Mutterdings? Ist es ok, wenn ich genervt bin? Manchmal sind sie da, diese kleinen Blasen im Alltag: Freudige Kinderaugen, lautes Lachen, irrsinniger Spaß. Unbändige Neugierde, millionenfache »Warums« und »und dann«-Fragen. Ernste Gesprächseinstiege von der Rückbank, Fragen nach dem Tod, dem Leben, Fragen wie »Wohin gehen wir, wenn ihr tot seid?« und »Wir wollen immer bei euch leben!«. Warum bleibt es nicht bei den Glücksmomenten?

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