Das überreizte Kind

von Dr. Stuart Shanker

mosaik, ISBN: 978-3-442-39267-4, 21,99 Euro

Aufmerksame Eltern wissen: »Diskutiere niemals mit einem hungrigen oder müden Kind – du wirst verlieren.« Und wie es scheint, haben sie dazu nun mit Hilfe des Werks von Dr. Stuart Shanker, einem kanadischen Professor der Psychologie und Philosophie, die grundlegende Legitimation für die Richtigkeit ihrer Behauptung auf 383 Seiten gebündelt vorliegen.

Der sympathisch schreibende Doktor erklärt in gut verständlichen Worten die biologischen Grundlagen menschlichen Handelns und verknüpft diese mit der alltäglichen Beschwerde von Eltern auf der ganzen Welt: »Mein Kind tut einfach nicht, was es soll.« Seine recht einfach anmutende Erklärung dazu – das Kind ist gestresst und kann nicht anders – erläutert er in den folgenden Kapiteln ausführlich und anhand eindrücklicher Beispiele aus seiner beruflichen Praxis. Dabei bietet er jedoch keine zu verallgemeinernden Rezeptideen an, sondern begleitet den Leser auf dem Weg, herauszufinden, was genau beim eigenen Kind mögliche helfende Ansatzpunkte sein können.

Einleitend verdeutlicht Dr. Shanker den fundamentalen Unterschied zwischen gesellschaftlich geforderter Selbstkontrolle (welche jedoch hauptsächlich im neueren Teil des Gehirns – dem Präfrontalkortex – zu finden ist) und Selbstregulierung (die in den älteren Teilen des Gehirns stattfindet). Dabei macht er deutlich, dass die Größe des Verhaltensrepertoires von Menschen deutlich sinkt, je höher der Erregungszustand in Richtung Kampf-Flucht-Modus steigt und damit das Gehirn in archaiche, vorsprachliche Zustände zurückfällt. Spätestens an dieser Stelle wird dem dauererklärenden, sprachlich gewandten Elternleser klar, warum auch die besten verbalen Ausführungen in Konfliktsituationen mit dem eigenen Kind auf unfruchtbaren Boden fallen.

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