Mutterschaft 2.0

Ein Kommentar von Herbert Renz-Polster

Wie das schon klingt: Mutterschaft. Ziemlich altbacken, eisernes Kreuz dran und so. Während der »neue« Vater abgeklatscht wird, muss die Mutter gleich auf die Anklagebank. Da wäre zu klären, ob sie vielleicht »nur Mutter« ist? Denn dann wäre sie zum Beispiel: eine Hausfrau. Eine Art alte Jungfer also, die keinen abbekommen hat – nämlich keinen Arbeitsplatz. Oder sie wäre jemand, die sich um die Nachbarschaft kümmert, um Oma oder Opa – ein Gutmensch halt. Eine Kümmererin. So jemandem würde man dann empfehlen, dem Kind doch wenigstens einen Krippenplatz zu besorgen (Väter kommen schon deshalb milde davon, weil das zu Hause spielende Kleinkind bei seinem Vater ja »männliche Rollenmuster« erlernt).

Eindeutig, gelungene Mutterschaft bedeutet heute, dass eine Frau vernünftig mit ihren Versorgungspflichten umgeht. Schon der Gesellschaft wegen. »Es ist endlich an der Zeit«, sagt die EU-Kommissarin Reding, »das ausgebildete weibliche Talent, das zur Verfügung steht, auch einzusetzen.« Das nicht zu tun, bedeute »Wirtschaftsschädigung«.

Aber waren Mütter nicht schon immer vernünftig? Auch im Clan der Jäger und Sammler haben sie dafür gesorgt, dass der Laden läuft. Und das mit dieser uralten Doppelstrategie: bei den Kindern sein (zumindest solange sie klein waren), in Beziehung mit ihnen sein, sie nähren, tragen, behüten, ja: bemuttern. Und dann aber auch, das besorgen und organisieren, was es dazu braucht: Nahrung, Schutz, eine funktionierende Gemeinschaft, Verbindungen in die Welt. Die Mutter war immer Ver sorgerin und Be sorgerin in einem. Dass sie das war, das war im Interesse der Mutter und des Kindes.

Artikel weiterlesen?

Kauf die aktuelle Ausgabe oder schließ ein Abo ab, um alle Ausgaben zu lesen.

Du bist bereits Abonnent oder hast das Heft gekauft und besitzt ein Benutzerkonto?