Wozu gehen wir eigentlich in die Schule?

Ein Kommentar von Herbert Renz-Polster

Na klar, wir gehen in die Schule, um dort Bildung zu bekommen! Das also, was uns hilft, unseren Weg in der Gesellschaft zu gehen! Klingt nach etwas Positivem, oder?

Fragt man allerdings die Beteiligten, so spürt man wenig Begeisterung. Von den Lehrern hört man überraschend oft, dass es darum ginge, »den Stoff zu schaffen«. Die Schüler? Die wollen »eine Zwei« schaffen, oder zumindest die Schule. Und die Eltern? Da könnte, Hand aufs Herz, Südaserbeidschanisch auf den Lehrplan kommen – nicht wenige Eltern würden das brav mit ihren Kindern pauken.

Woher kommt der Glaube, dass Bildung etwas sei, das es zu »schaffen« gilt? Ich glaube, alle haben das System durchschaut. Denn die Schule vermittelt eben nicht nur »Bildung«. Da wird auch ausgelesen. Da werden auch die Eintrittskarten für die gesellschaftlichen Ränge verteilt.

Es gibt aber einen zweiten Grund, warum die Beteiligten so verbissen zu Werke gehen. Sie scheinen die Befunde der Bildungsforschung zu kennen. Und die sind deprimierend.

Nehmen wir die PISA-Studie; Herr Andreas Schleicher von der OECD erklärt uns dann jedesmal, warum es bei den deutschen Schülern manchmal zick macht statt zack. Gut gemeint. Aber was wirklich funktioniert, kann jeder selber sehen: Auf dem ersten Platz landen IMMER die gleichen Kinder und sie gewinnen in ALLEN Kategorien. Die kleinen Bildungssoldaten aus Singapur zeigen das: Diese Bildung, die kriegt man, wenn man die Kindheit ausplündert. Diese Bildung, die kann man auch mit einem traurigen Herzen, mit müden Augen und mit Angst in der Seele bewältigen. Bestens!

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