Attachment Parenting in besonderen Situationen

Attachment Parenting ist eine friedvolle und harmonische Art mit seinen Kindern zusammen und gemeinsam zu wachsen. Gerade in besonderen Situationen, wo die erste Zeit voller Angst und Unsicherheit war, kann Attachment Parenting eine schöne und sichere Möglichkeit sein, Harmonie und Liebe fließen zu lassen und besser zueinanderzufinden.

Regina Masaracchia

Die Schwangerschaft ist für jede Frau ein ganz besonderes Ereignis in ihrem Leben. Ich selber fühlte mich plötzlich ganz eins mit der Natur und gleichzeitig entwickelte sich Empathie, »Feinfühligkeit« ( maternal sensitivity ), besonders für Tiere, denn auch sie sprechen nicht unsere Menschensprache und um sie zu verstehen, braucht man feine Antennen und Einfühlungsvermögen. Wie von Zauberhand war sie plötzlich da, die Empathie, die jede Mutter braucht, um nach der Geburt die Bedürfnisse ihres Babys richtig zu interpretieren und liebevoll darauf einzugehen. Heute weiß die Wissenschaft, dass sowohl die Mutter als auch das Baby nach der Entbindung für eine bestimmte Zeit von körpereigenen Hormonen (z. B. Oxytocin und Beta-Endorphine), die bindungsfördernd wirken, geradezu überschwemmt sind – Mutter und Kind sind ganz voneinander bezaubert; in einem emotionalen Zustand, in dem das Außen keinen Platz hat. Durch die vertrauten Wahrnehmungen am Körper der Mutter wird das Neugeborene meist ganz ruhig und sucht ihre Brust. Man spricht von einer Verhaltensinteraktion, wo der Säugling seine Bedürfnisse durch Signale mitteilt und die Eltern auf diese Bedürfnisse mit eigenem Verhalten »befriedigend« reagieren, was Responsivität genannt wird. Ein gelungener Bindungsaufbau ist also, wenn Eltern in der Lage sind, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erfüllen, seine körperliche, geistige und soziale Entwicklung optimal zu unterstützen und zu fördern. In der frühen, stabilen Beziehung mit seiner Mutter/seinen Eltern erlernt das Kind wirksame soziale Interaktion und kann leichter in die Gesellschaft hineinwachsen.

Attachment (Bindung) und Bonding

Wir Menschen sind neurobiologisch auf Bindung eingestellt und der Bindungsprozess zwischen Mutter und Kind beginnt in der Schwangerschaft und intensiviert sich nach der Geburt. Bindung ( Attachment , Bowlby, 1969) bezeichnet die emotionale Bindung und Anhänglichkeit des Kindes an seine Bezugspersonen, während Bonding (englischer Ausdruck für die Prägung einer Bindung) die emotionale Bindung der Eltern, insbesondere der Mutter an das Kind bedeutet. Diese erste direkte Kontaktaufnahme zwischen Mama und Baby sehen Psychologen als eine sehr wichtige Phase für die lebenslange Bindung zwischen Mutter und Kind. Die Momente des Bondings gelten in der Psychologie zudem als eine Voraussetzung, dass der Mensch körperlich und seelisch gut aufwachsen kann.

Unter Attachment Parenting versteht man eine Erziehungslehre, die darauf ausgerichtet ist, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern, indem die Mutter /der Vater auf die Signale des Säuglings reagiert und möglichst viel Zeit in enger körperlicher Nähe mit dem Kind verbringt. Bedürfnisorientierte Eltern glauben an ihr Kind, an sein Können und seine Kompetenzen. Sie glauben daran, dass das Kind instinktiv das Richtige tut. Die Kinder lernen selbständig und werden nicht trainiert und gefördert. Das Kind steht im Zentrum und seine Bedürfnisse stehen im Fokus. Attachment Parenting ist Liebe für und Vertrauen in unsere Kinder.

Wenn Mutter und KInd nach der Geburt zusammen bleiben durch Rooming-In, ist das ein weiterer Schritt des Bindungsaufbaus.

Der Begriff »Attachment Parenting« stammt von dem amerikanischen Kinderarzt William Sears , der bis heute auch der bedeutendste Vertreter der Lehre ist. Als 1994 in den USA die erste Attachment-Parenting-Organisation, Attachment Parenting International , gegründet wurde, erschien 2001, William und Martha Sears Werk Das Attachment Parenting Buch (tologo verlag), wo die Ideen einer instinktgeleiteten bzw. »natürlichen« Erziehung im Sinne von Jean Liedloff aufgenommen wurde. Sears und Sears beschreiben Attachment Parenting als das natürliche , von der Biologie vorgegebene, intuitive und spontane Verhalten von Müttern, die sich auf ihre »Instinkte«, ihren »sechsten Sinn«, ihre »innere Weisheit« und ihren » gesunden Menschenverstand « verlassen. Auch Mütterlichkeit selbst führen sie auf »Instinkte« zurück.

Die Methode des Attachment Parenting besteht in sieben Verhaltensweisen, die laut Sears ein synergetisches Ensemble bilden und die, wie er schreibt, auf den biologischen Bedürfnissen des Kindes basieren. Weil diese Praktiken im Englischen mit dem Buchstaben »B« beginnen, spricht Sears von den »7 Baby-B’s«:

  1. sofort nach der Geburt Aufnahme von Körper- und Augenkontakt zwischen Mutter und Kind
  2. bedarfsorientiertes Stillen
  3. möglichst häufiges Tragen des Kindes (»Babywearing«)
  4. gemeinsames Schlafen (»Co-Sleeping«)
  5. als Vorbeugung des Schreiens, Beachtung der Signale des Kindes
  6. kein Schlaftraining
  7. Balance der Bedürfnisse von Kind und Mutter

Ideale Geburt und Postpartum

Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft steht einer Hausgeburt nichts im Wege. Nur zu Hause kann die Frau sich in ihrer gewohnten Umgebung sicher und geborgen fühlen. Trotzdem kommen in Deutschland nur 1,5 % der Babys zu Hause zur Welt. Ob zu Hause oder in der Klinik, ideal ist es, wenn Mutter und Kind die ersten zwei Stunden nach der Geburt möglichst ihre Zweisamkeit genießen können. Monatelang hat die Mutter auf ihr Baby gewartet und deshalb sollte sie nach der Geburt Zeit haben, um ihr Kind in Ruhe kennenzulernen, mit gedämpftem Licht und Wärme die Zweisamkeit genießen, um wieder eins zu werden. Haut-zu-Haut-Kontakt ab der Geburt ist ein wichtiger Schritt zum Lieben- und Kennenlernen zwischen Mutter und Kind. WHO und Unicef haben in ihren »10 Schritten für erfolgreiches Stillen« nicht umsonst das Bonding in Schritt vier aufgenommen, denn Bindung ist menschlich und überlebenswichtig! Ein weiterer Schritt des Bindungsaufbaus ist, wenn Mutter/Eltern und Kind auch nach der Geburt zusammenbleiben ( Rooming-in ), um möglichst viel Kontakt zu ermöglichen. Der Nutzen des primären Bondings ist, dass Mutter und Kind sich wohlfühlen und auch nach der Geburt als Einheit sehen. Die Atmungs-, Herz- und Blutdruckregulation werden optimiert, Stress reduziert, die Rückbildung der Gebärmutter optimiert und die Milchbildung angeregt. Die primäre Bindung stärkt das Kind in seinen angeborenen Fähigkeiten und hilft ihm, diese Fähigkeiten zu entfalten, seine Umwelt zu erkunden und in Interaktion mit ihr zu treten. Bonding reduziert auch das Risiko für Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern und vermindert beim Kind das Risiko psychischer Erkrankungen. Stillen und Bonding haben somit den Nutzen für das Kind, Befriedigung durch Zuwendung, Wärme und Nähe zu erhalten, es fördert eine bessere emotionale und intellektuelle Entwicklung und ermöglicht eine engere emotionale Bindung zur Mutter. Das Bonding findet aber nicht nur unmittelbar nach der Entbindung statt, sondern wird auch in den weiteren Stunden und Tagen nach der Geburt durch das ständige Beisammensein von Mutter und Kind gefördert.

Schwierige Situationen

Manche Mütter und Babys haben einen schwierigen Start ins Leben. Frühgeborene, kranke oder fehlgebildete Babys sind meist nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Das erschwert einen perfekten Start. Trauer und Angst überschatten das Mutter-Kind-Paar. Nicht nur im Krankenhaus, wo die Mutter nach der Geburt plötzlich mit leeren Händen (und Herzen) da steht, weil sich ihr Kind auf der Intensivstation, vielleicht auch in einem anderen Krankenhaus befindet, sondern auch, wenn es nach der Entlassung zu Hause ist und die Eltern merken, dass man das eigene Kind eigentlich gar nicht so richtig kennt und durch die oft lange Trennung keine Bindung zu ihm da ist.

Hier einige Methoden, die die Bindung in schwierigen Situationen fördern:

Stillen

Stillen ist nicht nur die natürliche Ernährungsform und die ideale und gesunde Nahrung für ein Baby, sondern der intensive körperliche Kontakt, den Mutter und Kind auch nach der Geburt weiterhin miteinander haben, ist die stärkste Bindungsförderung überhaupt. Wir Menschen sind Säugetiere und somit bestens für das Stillen ausgerüstet. WHO und Unicef empfehlen sechs Monate ausschließliches Stillen, dann graduelle Beikosteinführung, die vom Kind ausgeht, ergänzend zum Stillen, bis zum ersten Lebensjahr und weiter zu stillen, bis über das zweite Lebensjahr hinaus, wenn Mutter und Kind es wünschen. Wenn Mutter und Kind getrennt sind und das Baby oftmals (noch) nicht fähig ist, effektiv an der Brust zu saugen, ist es wichtig für die Mutter, professionelle Unterstützung zu erhalten. Ideal ist die Kooperation einer professionellen Still- und Laktationsberaterin IBCLC ( www.bdl-stillen.de , www.stillen.de ). Es handelt sich um medizinisches Fachpersonal mit einer Zusatzqualifikation, das zusammen mit der Mutter Wege findet, so bald wie möglich nach der Geburt die Milchproduktion anzuregen, zu erhöhen, auch über viele Monate aufrecht zu erhalten, gewonnene Muttermilch korrekt aufzubewahren und zu transportieren (von zu Hause in die Klinik) und das Wissen haben, besondere Stillhilfsmittel korrekt einzusetzen. Die Milchgewinnung ist für die Mutter eine Möglichkeit, aktiv an der Genesung und dem gesunden Wachstum ihres Kindes teilzuhaben und teilzunehmen und die nur sie, als Mutter und kein anderer tun kann. Diese Tatsache kann sehr motivierend, tröstend und starkmachend sein und die Bindung der Mutter zu ihrem Kind unterstützen und fördern. Die zusätzliche Teilnahme an Müttertreffen der La Leche Liga oder der AFS (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen), kann der Mutter Kraft geben, durchzuhalten und Kontakt und Unterstützung zu anderen stillenden Müttern zu haben.

Wenn das Baby auf der Intensivstation zum ersten Mal angelegt wird, ist das für die Mutter meist ein berührender Moment. Die Areola (Warzenvorhof) hat Drüsen (Montgomery), die einen Duft abgeben und vom Baby wahrgenommen werden. Auch wenn es noch nicht saugen kann und eventuell über die Sonde ernährt wird, können einige Tropfen Muttermilch, je nach gesundheitlicher Situation des Babys, ausgedrückt und vom Baby abgeleckt werden. Muttermilch wird auch zur Mundhygiene empfohlen.

Kängurutherapie

In den meisten Krankenhäusern wird die Kängurutherapie durchgeführt. Känguru-Methode ( Kangaroo care ) wird in der Neugeborenenmedizin eine Methode bezeichnet, bei der ein Neugeborenes / Frühgeborenes Baby Haut an Haut auf dem Oberkörper eines Erwachsenen, meist der Mutter gelegt wird. Frühgeborene, die gestillt und mit der Känguru-Methode versorgt werden, haben eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit und sind weniger anfällig für schwere Krankheiten, darunter Krankenhausinfektionen und Atemwegserkrankungen. Verbesserungen sind ebenfalls bei Körpertemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz nachweisbar.

Der Nutzen des primären Bondings ist, dass Mutter und Kind sich wohlfühlen und auch nach der Geburt als Einheit sehen.

Weitere Studien deuten auf eine bessere geistige Entwicklung, geringerem Stressempfinden, sowie positive Auswirkungen auf Wachstum und motorische Entwicklung hin. Darüber hinaus konnte dadurch der Anteil der Frühgeborenen, die ausschließlich mit Muttermilch gefüttert wurden, gesteigert werden. Die Methode wirkt sich positiv auf die Mutter-Kind-Beziehung aus und erhöht die Zufriedenheit und Zuversicht der Eltern. Die Tragetuchfirma Hoppediz hat eigens dafür ein Bonding-/Sektio Top entwickelt, wo das Baby sicher am Körper der Mutter anliegt.

Frühgeborene Babys profitieren auch noch Jahrzehnte später, wenn sie in ihren ersten Wochen auf der Welt intensiven Körperkontakt mit ihren Eltern hatten. Das hat eine Langzeitstudie zur sogenannten Känguru-Methode ergeben, die mit Unterstützung kanadischer Forscher in Kolumbiens Hauptstadt Bogota durchgeführt wurde.

Musiktherapie

Dank des technischen Fortschritts können immer unreifere Frühgeborene und kranke Babys überleben. Oftmals bedeutet dies den Verlust intrauteriner Sinneserfahrungen und den Verlust von Klängen, Schwingungen und Vibrationen des mütterlichen Körpers. Hinzu kommt die zu frühe Trennung von Mutter und Kind, eine zu frühe Trennung gemeinsamen Erlebens und Wachsens, die die Entwicklung einer gesunden Beziehungs- und Bindungsfähigkeit gefährden kann.

Um die Familien in dieser schwierigen Lebensphase zu unterstützen wird in manchen Krankenhäusern die Musiktherapie angeboten. Die Grundlagen hierfür basieren auf Erkenntnissen von Medizin, Physiologie und Psychologie, der Säuglingsforschung und Musik-Medizin sowie der Stressforschung. In der Musiktherapie mit Frühgeborenen wird sowohl rezeptiv als auch aktiv gearbeitet – mit der Stimme der Mutter, mit Gesang des Therapeuten/der Therapeutin und/oder speziellen Instrumenten. Die Eltern/Familien werden in das musiktherapeutische Angebot integriert und zur eigenen stimmlichen Kontaktaufnahme zum Kind motiviert. Der musiktherapeutische Einsatz in der Neonatologie ist also eine therapeutische Begleitung und wichtige Präventionsmaßnahme für Stabilität und Entwicklung, die das bestehende medizinische Behandlungsangebot sinnvoll ergänzen kann.

Rebonding

Bei einem nicht idealen Start ins Leben, wo kein Bonding stattfinden konnte, kann das Bonding jederzeit nachgeholt werden. Der Fachbegriff dafür ist Re-Bonding . Auch Tage, Wochen und Monate nach der Entbindung kann von einem intensiven Haut-zu-Haut-Kontakt profitiert werden. Dabei wird das Baby, möglichst im Beisein einer Fachperson, meist der Hebamme, neben dem Bett der Mutter gebadet, aber auch ein gemeinsames Bad ist möglich und danach nackt und nass auf den nackten Oberkörper der Mutter gelegt, um Ruhe, Entspannung und Trost zu finden. Das ausgiebige Kuscheln wird nachgeholt und die Situation nach der Geburt nachgespielt. Das fördert die Bindung, vor allem bei Kindern, die dieses erste Kuscheln mit ihrer Mutter nicht hatten. Das sogenannte »Bindungsbad« wurde von der Hebamme, Autorin und Cranio-Sacral-Therapeutin Brigitte Meissner entwickelt (babyrelax-koeln.de/wp-content/uploads/2015/04/Baby-Heilbad.pdf). Mit dieser Methode ist es möglich, alte, negative Erlebnisse und Erfahrungen mit neuen, positiven zu überdecken. Beim Bindungsbad fließen oftmals Tränen sowohl bei der Mutter, als auch beim Kind. Sie sind Teil der Aufarbeitung, Altes verliert seinen Schrecken, schmerzhafte Erlebnisse werden durchbrochen, mit der Zeit aufgelöst und die Geburtsgeschichte neu geschrieben.

Tragen

Ein Babytragetuch (kurz Tragetuch) ist eine Hilfe, die es ermöglicht, ein Baby oder Kleinkind über eine längere Zeitspanne am Körper zu tragen. Wenn es der gesundheitliche Zustand von Mutter und Kind zulässt, können Eltern früh mit dem Tragen anfangen. Gute Tragehilfen verteilen das Gewicht des Kindes entsprechend, die Muskeln der Eltern werden mit zunehmendem Gewicht trainiert und passen sich dementsprechend an. Sears und Sears empfehlen, vor allem jüngere Säuglinge möglichst ständig am Körper zu tragen, etwa in einem Babytragetuch , welches sehr praktisch, durch adäquate Bindeweisen, mitwächst. Die Buchautorin und Verhaltensbiologin Dr. Evelin Kirkilionis ist besonders im deutschsprachigen Raum mit ihrem Buch Ein Baby will getragen sein , ein feststehender Begriff. Tragen ist praktisch, bequem und gesund. Es macht das Kind glücklich, weil es dadurch möglich ist, das Kind in sämtliche Tagesaktivitäten der Mutter einzubeziehen, sodass es mehr Sinnesreizen ausgesetzt ist, und dass die Mutter das Kind auch dann nicht aus den Augen verliert, wenn sie mit anderen Dingen beschäftigt ist. Gerade bei einem schwierigen Lebensbeginn, ist das Tragen also Teil der Therapie, um das Trauma des Getrennt-worden-seins zu überwinden. Berufstätigen Müttern empfehlen Sears und Sears das Kind täglich mindestens vier bis fünf Stunden zu tragen, um die arbeitsbedingte Abwesenheit wiedergutzumachen.

Gerade bei schwierigem Lebensbeginn ist Tragen Teil der Therapie.

Weiterhin argumentieren Sears und Sears, dass das Tragen den kindlichen Gleichgewichtssinn trainiere und – weil das am Körper getragene Kind mehr mütterliche Konversationen miterlebe – die Sprachentwicklung fördere. Säuglinge weinen am meisten im Alter von sechs Wochen; eine 1986 an der McGill University durchgeführte randomisierte Studie hat gezeigt, dass Kinder in dieser Entwicklungsphase signifikant weniger weinen, wenn sie tagsüber viel am Körper der Eltern getragen werden. Auch das ist ein wichtiger Aspekt für Eltern, die mit ihren Babys schwierige Situationen überwinden müssen. Sears und Sears empfehlen das Tragen des Kindes auch als Einschlafhilfe. Insgesamt befürworten sie ein Bereithalten des Tragetuches bis ins dritte Lebensjahr.

Co-Sleeping

Kinder brauchen den körperlichen Kontakt zu ihren Bezugspersonen. Schon im Bauch der Mutter entwickeln die Kleinen den gleichen Schlafrythmus wie die Mutter. Werden sie nun nach der Geburt direkt in ein separates Bettchen gelegt, fehlt ihnen all diese Sicherheit und Geborgenheit. Alles ist fremd. Sie fühlen sich alleine, sie haben Angst.

Im Familienbett fühlen sich Babys und Kinder sicher und können meist schnell beruhigt werden, bevor sie ganz wach werden. Sie müssen sich sicher sein können, dass sie nachts nicht verlassen werden – die Nähe und Versicherung durch einen vertrauten Körper sind unabdingbar für Kleinkinder und für Babys sowieso. Ganz besonders, wenn Sie die ersten Tage, Wochen und Monate nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt waren. Das gemeinsame Schlafen ist ein wichtiger Punkt des Attachment Parentings und kann gleichzeitig als unverzichtbare Therapie, angesehen werden. Eine der bekannten Fachfrauen auf diesem Gebiet ist Sybille Lüpold, Schlafcoachin und Buchautorin des Schlafratgebers Ich will bei Euch schlafen. Sie gibt an, dass das Co-Sleeping und Bedsharing der ganzen Familie zahlreiche Vorteile bietet:

  • Der Prolaktinspiegel der Mutter steigt durch den Körperkontakt und das nächtliche Stillen zunehmend an und begünstigt die Milchproduktion. Es wird dadurch insgesamt länger gestillt und die Mutter ist belastbarer. Kinder, die (öfter und länger) gestillt werden, sind gesünder.
  • Das nächtliche Stillen wird vereinfacht. Infrarotfilme aus Schlaflabors haben gezeigt, dass Mütter, deren Kinder direkt neben ihnen im Bett liegen, innerhalb von Sekunden auf das unruhige oder erwachende Kin d reagieren und es an die Brust nehmen. Dadurch muss das Kind gar nicht erst weinen und im Idealfall schlafen beide kurze Zeit später entspannt weiter.
  • Die Schlafphasen von Mutter und Kind gleichen sich an, so dass die Mutter nicht oder nur selten aus dem Tiefschlaf gerissen wird. Viele Mütter berichten, dass sie wach werden, kurz bevor ihr Kind sich meldet.
  • Die Eltern kommen zu mehr Schlaf/Erholung, da sie nachts nicht aufstehen müssen, um ihr Kind zu beruhigen.
  • Kinder, die bei den Eltern schlafen, schreien weniger.
  • Viele Mütter schlafen ruhiger, wenn sie wissen, dass es ihrem Kind gut geht. Schläft das Kind alleine, liegen sie eher wach und machen sich Sorgen.
  • Der nächtliche Körperkontakt wirkt sich positiv auf das kindliche Wachstum und seine Entwicklung aus.
  • Die nächtliche Zuwendung durch die Eltern stärkt die Eltern-Kind-Bindung und das Urvertrauen des Kindes.
  • Berufstätige Eltern, die tagsüber oft weg sind, verbringen so mehr Zeit mit ihrem Kind. Trennungen können besser überwunden werden.
  • Kinder haben bei den Eltern weniger Angst und Albträume.
  • Kinder, die bei den Eltern schlafen, steigen nicht aus dem (Gitter)Bett, wodurch weniger Gefahr von nächtlichen Unfällen besteht.
  • Geschwisterkinder, die gemeinsam schlafen, schlafen ruhiger und verstehen sich besser.
  • Kinder, die ihren Schlafplatz mit anderen teilen, sind tagsüber in der Regel ausgeglichener und selbständiger, da sie nachts viel Sicherheit tanken können.
  • Co-Sleeping-Kinder schlafen oft auch an fremden Orten gut, wenn sie bei den Eltern sind. Sie sind nicht abhängig von ihrem eigenen Bettchen, einer Kuscheldecke etc. Das Reisen wird vereinfacht.
  • Sie brauchen keine Übergangsobjekte wie Teddys, die – wenn sie verloren gehen – zu schlechten Nächten führen können.
  • Das Schlafen wird mit positiven Gefühlen und Erfahrungen verknüpft und begünstigt eine lebenslänglich gute Schlafqualität.
  • Bei Co-Sleeping besteht unter Berücksichtigung der Sicherheitsmaßnahmen ein geringeres Risiko für SIDS (Plötzlichen Kindstod).

Es kann also gesagt werden, dass gerade das Attachment Parenting in schwierigen Situationen unabdingbar ist, um Traumen zu überwinden und trotz einem schwierigen Start ins Leben und in die Elternschaft, ausgleichend und heilend ist und damit eine glückliche Mutter-Kind- und Eltern-Kind-Bindung fördert. ■

Attachment Parenting ist eine friedvolle und harmonische Art mit seinen Kindern zusammen und gemeinsam zu wachsen. Gerade in besonderen Situationen, wo die erste Zeit voller Angst und Unsicherheit war, kann Attachment Parenting eine schöne und sichere Möglichkeit sein, Harmonie und Liebe fließen zu lassen und besser zueinander zu finden.

Regina Masaracchia

ist Mutter von drei Kindern, Buchautorin, Illustratorin, Still-und La ktationsberaterin IBCLC. Sie ist im Vorstand der italienischen IBCLC’s www.aicpam.org, sowie Trageberaterin und Gesundheits-und Krankenpflegerin an der Uniklinik Palermo, auf der neonatale Intensivstation. Sie ist Autorin der Sachbuchreihe Ich weiß jetzt wie bei der edition riedenburg.