Und plötzlich ist alles anders: Krebsdiagnose bei Eltern und Attachment Parenting

Mit der Krebsdiagnose ändert sich in einem Augenblick das gewohnte, alltägliche Familienleben, und sowohl für den betroffenen Elternteil, aber auch für den Partner und die Kinder beginnt eine Achterbahnfahrt mit vielen Ängsten. Wie kann diese stürmische Zeit in Einklang mit bedürnisorientiertem Umgang gebracht werden ?

Stefanie Eckstein

In den meisten Fällen kommt die Diagnose plötzlich und überraschend, und sie wirkt sich lange, auch nach erfolgreicher Behandlung, auf alle Lebensbereiche aus. Ich sehe mich noch im Besprechungsraum neben meinem Mann in der Praxis des Hämatologen sitzen, zu dem ich wegen eines auffälligen Blutbildes überwiesen wurde. Soeben sind Sätze mit »Chemotherapie« und »sofort Aufbruch in die Uniklinik« gefallen. Während mein Mann schon die volle Wirkung der Worte erfassen kann, sitze ich noch lächelnd neben ihm und höre interessiert dem Arzt zu, als wenn dieser über eine andere Person sprechen würde.

Meine Kinder sind vier, sieben und neun Jahre alt als ich die Diagnose »Akute Myeloische Leukämie« bekomme und sofort in die Uniklinik fahren soll. Das folgende halbe Jahr bekomme ich fünf speziell angepasste Chemotherapien und befinde ich mich mit nur kurzen Unterbrechungen ausschließlich auf der hämatologisch-onkologischen Station im Krankenhaus.

Aufgrund meines stark geschwächten Immunsystems und der damit einhergehenden, erhöhten Infektionsgefahr dürfen mich meine Kinder bis auf wenige Ausnahmen nicht im Krankenhaus besuchen. Da ich bis zu meiner Erkrankung, dank flexibler Arbeits- und Studienzeiten, hauptsächlich den Familienalltag organisiert und die Kinder betreut habe, muss mein Mann von einem Tag auf den anderen nicht nur die Fragen und Ängste der Kinder mittragen und auffangen, sondern auch eine neue Alltagsstruktur erschaffen.

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