Wir lernen, was wir wollen!

Das ABC erläutert zentrale Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Demokratischen Schulen genannt werden. (Teil 7)

Martin Wilke

G wie Geschäftsordnung

Das wichtigste Gremium einer Demokratischen Schule ist die Schulversammlung. Die konkrete Arbeitsweise der Schulversammlung kann durch eine Geschäftsordnung festgelegt werden. Die Geschäftsordnung soll einen geordneten und effizienten Ablauf, eine faire unparteiische Leitung sowie Transparenz garantieren. Ein formales Vorgehen der Versammlung hilft, Willkür zu vermeiden.

Insbesondere wenn es in Sachfragen harte Auseinandersetzungen gibt, ist es wichtig, dass es faire Verfahrensweisen gibt. Und diese Verfahrensweisen sollten vorher feststehen. Denn mitten in einem Konflikt ist es kaum möglich, Verfahrensweisen zu entwickeln, da dann schnell der Verdacht aufkommt, eine bestimmte Verfahrensweise werde nur vorgeschlagen, weil das zum Vorteil einer der Konfliktparteien wäre.

Eine Geschäftsordnung regelt üblicherweise, wer Rede- und Antragsrecht hat, bis wann und in welcher Form Anträge eingereicht werden können, ob es eine bestimmte Mindestteilnehmerzahl geben muss, damit die Versammlung beschlussfähig ist, wer wann wie oft und wie lange reden darf, nach welchen Verfahren abgestimmt und gewählt wird, welche Mehrheiten erforderlich sind und welche Geschäftsordnungsanträge (GO-Anträge) es gibt. GO-Anträge beziehen sich auf den Ablauf der Versammlung bzw. auf Verfahrensfragen. Geschäftsordnungen können zudem eine Standard-Reihenfolge für regelmäßig wiederkehrende Tagesordnungspunkte enthalten, sodass etwa Informationen und Berichte stets am Anfang behandelt werden, dann Wahlen, anschließend vertagte Anträge der letzten Sitzung und schließlich neue Anträge.

Leider gibt es im deutschsprachigen Raum kein echtes Standardwerk für Geschäftsordnungen, sodass sich die Regelungen von Organisation zu Organisation teils erheblich unterscheiden; in vielen Organisationen gibt es überhaupt keine niedergeschriebenen Geschäftsordnungsregeln, sondern nur eine Art Gewohnheitsrecht. Einiges von diesem Gewohnheitsrecht hat Hermann Meier in seinem Buch Zur Geschäftsordnung aufgeschrieben.

Geschäftsordnung nach deutschem Gewohnheitsrecht

Einige der üblichen Regelungen lauten:

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