Und sie spielten den ganzen Tag

Spielen ist für Menschenkinder die natürlichste Sache der Welt. Und auch die wichtigste – vor allem was Lernen betrifft. Das Spiel ist eine unschlagbare Ressource, um sich mit der Welt vertraut zu machen, Erfahrungen zu verarbeiten und sich zu erproben.

Naomi Aldort

Am Klavier spielt der dreijährige Lennon eine willkürlich aneinandergereihte Tonfolge. »Warum bringst du ihm nicht das Klavierspielen bei?«, fragt unser Besucher, denn er weiß, dass ich Pianistin bin. »Aber er lernt doch«, sage ich. »Mein Lehren könnte niemals so effektiv sein wie seine eigene natürliche Herangehensweise.« Mein Freund sieht mich zweifelnd an. »Wenn du nächstes Jahr wiederkommst, wirst du es sehen«, sage ich. Obwohl ich keine Ahnung habe, wohin sich Lennons Klavierspiel entwickeln wird, bin ich davon überzeugt, dass der Fortschritt definitiv sichtbar sein wird – sofern er uneingeschränkt spielen und ausprobieren kann.

Wie viele Eltern und Lehrer haben Bedenken, wenn ein Tag im Leben ihrer Kinder mit Spielen, Spielen und noch mehr Spielen vorbeigeht: »Wann sollen sie denn lernen, wenn sie den ganzen Tag nur spielen?« Ich dagegen frage mich: Ist Spielen wirklich Zeitverschwendung? Hat die Natur etwa einen Fehler gemacht, als sie alle Jungtiere – einschließlich aller Menschenkinder – mit dem Trieb und der Fähigkeit zu spielen ausgestattet hat?

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