Freie Schule ‒ freie Erwachsene?! Die eigene Entwicklung mit in den Blick nehmen (Teil 2)

Eltern melden ihre Kinder an einer besonderen Schule an, damit deren individuellen Entwicklungsbedürfnissen besser entsprochen wird als an den Schulen, die heute noch der Normalfall sind. Wie kann eine solche Schule auch die weitere Entwicklung der Eltern und der Mitarbeiter begleiten? Wie können die Erwachsenen alte Wunden heilen, die ihnen in ihrer eigenen Erziehung durch Schule zugefügt wurden? Welche Bedeutung hat ein bewusstes Einbinden dieser Entwicklungs- und Heilungsprozesse für das Gelingen einer Freien Schule?

Ariane Brena und Kay Garcia im Gespräch

A riane Brena: Wir sind in unserem Gespräch an einem Punkt, wo die Frage nicht mehr ist, ob Heilungsprozesse stattfinden müssen, sondern wie das in einer Schule strukturell verankert werden kann. Dennoch will ich vorher noch auf einen möglichen Einwand eingehen, der sinngemäß so klingt: »Wieso Heilung?! Die Schule ist doch kein Sanatorium! Und außerdem sind Lehrer doch gar nicht dafür ausgebildet!«

Kay Garcia: Es geht nicht um die Heilung schwerer seelischer Erkrankungen oder Traumata, sondern um die Heilung und Öffnung des Herzens und darum, sich selbst wieder feiner, sensibler und spürbarer zu machen, für sich selbst und nach außen. Also, um es pathetisch auszudrücken, sich der Liebe, auch der Selbstliebe, und damit auch dem Vertrauen mehr zu öffnen. Das sollte nicht nur durch oder in Sanatorien möglich sein. In Bezug auf die Kinder und auch für mich in meinem Leben sehe ich das als zentrales Ziel für den Heilungsprozess, von dem ich hier rede. Außerdem: Als Eltern sind wir auch nicht pädagogisch ausgebildet; müssen wir somit die Bildung und Erziehung in Expertenhände und Institutionen geben?

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