Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

von Thomas Binn

Alive – Vertrieb und Marketing , 15,99 Euro

Dass die Absicht des Filmemacher Thomas Binn die war, dass der Zuschauer sich nach den neunzig Minuten des Dokumentarfilmes fragt, ob das »Wir«, dass im Titel durch das Wort »Inklusion« ersetzt scheint, wirklich alle meint, ist zu bezweifeln. Der Medienproduzent und gelernte Sozialpädagoge, setzt sich fachlich und auffallend zurückhaltend mit dem umstrittenen Thema der Inklusion an Schulen auseinander. Immer mit einem verständnisvollen Blick, schaut der Zuschauer mit dem Filmemacher auf die beteiligten Menschen. Der Film begleitet junge Menschen von der Einschulung bis in die dritte Klasse, ebenso wie ihre Eltern, Lehrerinnen, Sonderpädagoginnen, Integrationshelferinnen und den Schulleiter. Einblicke in private Situationen und den Schulalltag, vermitteln den Zuschauenden das Gefühl, ganz nah und still hospitierend im Geschehen zu sein.

Wie unter einer Lupe werden die Handlungen der Erwachsenen beobachtet. Vor allem das pädagogische Handeln mit all seinen Chancen und Tücken, wird unter den Umständen eines scheinbar normalen Unterrichts sichtbar. Beklemmend wirkt das Gerüst, in dem die Pädagoginnen und Begleiterinnen versuchen, ihre Vorstellungen von gelebter Inklusion umzusetzen. Der Mangel ist an mehreren Stellen deutlich sichtbar. In den Momenten, wo jemand aus der Klasse gute Begleitung bräuchte, ist keine Zeit da, denn die anderen möchten ebenso unterstützt werden. So wird der Schüler zurechtgewiesen und sanktioniert, was offensichtlich alle Beteiligten unzufrieden bis unterdrückt-verletzt zurücklässt. Die Integrität eines jungen Menschen wurde verletzt und zeitgleich lässt sich zwischen den Zeilen der Titel lesen, den diese Szene haben könnte: »Hilflosigkeit – Wie kann ich den vielen Ansprüchen unter diesen Umständen gerecht werden?

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