Kommunikation mit dem Inneren: Selbsteinfühlung in der Elternschaft

Wer sich seiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst ist und die Fähigkeit hat, mit diesen umzugehen, muss auch die seiner Kinder nicht aus der Furcht unterbinden, seiner eigenen Verletzbarkeit in ihnen zu begegnen. Voraussetzung ist dafür die Selbsteinfühlung als Elternteil.

Hanna Brodersen

Vielen Eltern ist unklar, wie eng ihre Fähigkeit der Selbstzuwendung mit der Befähigung verknüpft ist, die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Kinder einfühlsam achten zu können. Eltern dürfen ihr Herz vor allem für sich öffnen und in diesem Zustand der Weichheit und Selbstverbundenheit die eigenen Kinder vor einer Entfremdung schützen, die sie einstmals selbst erfuhren.

Von Einfühlung zur Selbsteinfühlung – Beelterung für das Innere

Die meisten Eltern wissen mittlerweile von der Bedeutsamkeit empathischer Zuwendung und bemühen sich nach besten Möglichkeiten, den Gefühlen ihrer Kinder verständnisvoll zu begegnen.

Eine Vielzahl von ihnen ringt bis zur Erschöpfung um Verständnis, Liebe und Weichheit für ihre Kinder und bemüht sich nach Kräften, ihre Bedürfnisse zu achten; wohingegen die eigene Sehnsucht oftmals grundlegend ungeklärt bleibt und dem inneren Erleben in der Regel mit großer Härte begegnet wird. Während sie enorme Anstrengung auf ihre liebevolle Stimme im Außen verwenden, behalten die stillen Monologe häufig ihren verurteilenden, ablehnenden und verletzenden Charakter. Alle bestehenden Ressourcen werden in bester Absicht aufgewendet, um die eigenen Kinder vor einstmals erfahrenen Verletzungen zu bewahren – während das innere Kind weiterhin ungeliebt und abgelehnt bleibt.

Nach meiner Erfahrung ist den meisten Müttern und Vätern dabei nicht bewusst, dass echte, beidseitig nährende Empathie Selbsteinfühlung voraussetzt. Es ist nahezu unmöglich, Kindern nachhaltig einfühlsam zu begegnen, ohne gleichsam eine mitfühlende Beziehung mit sich selbst zu entwickeln und zu pflegen.

Empathie ist keine Fähigkeit, die wie Fahrrad fahren einmalig erworben wird, um dann ein Leben lang zur Verfügung zu stehen. Eher gleicht sie einem Licht, welches genährt werden will, damit es eine beständige Leuchtkraft beibehält. Der Versuch, aus einem Zustand der Getrenntheit und aus der Härte für das eigene Herz heraus im Außen nachhaltig weich und annehmend zu sein, gleicht dem Versuch, andere aus einer leeren Schale sättigen zu wollen. Man könnte auch sagen: Wer sich selbst nicht durch Klärung, Fürsorge und Mitgefühl »beeltert«, dem wird die achtsame Beelterung seiner Kinder nur unter großer Anstrengung möglich sein.

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