»Brave« Kinder – um welchen Preis?

Die verborgenen Folgen von beschämenden Botschaften

Beschämende Aussagen Kindern gegenüber gehören heute leider oft immer noch zum Standardrepertoire einiger Eltern, meist mit dem Ziel, unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Aber welche Folgen hat das für die beschämten Kinder und welche Alternativen gibt es?

Robin Grille und Beth Macgregor

Ein fünf Monate altes Baby liegt in den Armen seiner Mutter. Es ist kurz vor dem Einschlafen, wacht dann aber auf und beginnt zu weinen. Seine Mutter sagt zu ihm, dass es aufhören soll, ein ungezogener Junge zu sein, und dass sie böse mit ihm sein wird, wenn er nicht schläft.

Ein 18 Monate altes Mädchen sitzt mit dem Vater und einem Onkel in einem Restaurant. Der Vater steht auf und geht zur Bar, während er das Kind mit dem Onkel zurück am Tisch lässt. Das Mädchen verlässt den Tisch, um dem Vater zu folgen. Ihr Onkel packt sie und sagt ihr, dass sie ein unartiges Kind sei und auf ihrem Stuhl sitzen bleiben soll. Sie sieht sich bekümmert nach ihrem Vater um.

Auf einer Geburtstagsfeier ist ein Sechsjähriger unter den Erwachsenen noch lange nach der Schlafensgehenszeit wach. Er tobt mit den mit Helium gefüllten Ballons durch den Raum. Sein Vater schreit ihn an, die Ballons in Ruhe zu lassen, und sagt ihm, er solle damit aufhören, ein Störenfried zu sein.

Scham zerstört die natürliche Ausgelassenheit und Neugier von Kindern.

Was haben diese Kinder aus diesen Erfahrungen gelernt? Viele würden sagen, dass die Reaktionen der Erwachsenen notwendig waren, um den Kindern den Unterschied zwischen richtig und falsch zu vermitteln, zwischen »gutem« und »schlechtem« Verhalten. Verbale Bestrafung kommt in fast jeder Familie und jeder Schule vor. Sie beruht auf beschämenden Botschaften als Abschreckungsmaßnahme, so wie körperliche Bestrafung auf Schmerzen beruht. Ausschimpfen ist eine der am häufigsten gebrauchten Methoden, um das Verhalten von Kindern zu regulieren. Aber was, wenn das Ausschimpfen unserer Kinder ihnen schadet? Könnte es sein, dass wiederholte verbale Bestrafung dazu führt, dass Kinder sich selbst als grundsätzlich »schlecht« empfinden? Und wenn es so ist, was können wir anders machen?

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