Eltern können entscheidend zu Frieden und Gewaltfreiheit beitragen

2017 initiierte die amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano die Aktion »Me Too«: Über Twitter forderte sie Frauen zur Wortmeldung auf, die sexuelle Gewalterfahrungen gemacht hatten. Hunderttausende Posts waren die Folge. Sexuelle Nötigung ist alltäglich. Eine Erinnerung an die Kraft bewusster Elternschaft.

Naomi Aldort

Mein Eindruck ist, dass praktisch jede Frau heutzutage zumindest schon einmal sexuell belästigt worden ist; dass aber nur jene, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, tatsächlich öffentlich darüber sprechen. Ich habe mit beiden »Parteien« Mitgefühl – mit den geschändeten Frauen und auch mit den angeklagten Männern. Ja, auch mit den Männern; genauso wie ich mit aggressiven Erscheinungsformen bei Kindern Mitgefühl habe.

Lasst die Masken fallen

Was ich in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch vermisse, ist die Diskussion über den »leiseren«, nicht so greifbaren Missbrauch von Frauen – ja beinah jeder Frau. Nämlich ihre Freiheit betreffend, sie selbst zu sein. Ihre Freiheit betreffend, die Mütter sein zu können und zu dürfen, die sie sein möchten. Väter sind an diesen Umständen oft nicht ganz unbeteiligt: Häufig übernehmen sie nicht ihren 50 %-Anteil an der Elternschaft, ja manchmal stellen sie sich den Müttern sogar in den Weg und leben – unbewusst – patriarchisch-gefärbte Beziehungen. Die Befreiung der Frauen wird sich aber nur vollständig vollziehen, wenn beide – Frauen wie Männer – die alten Geschlechterbilder und- rollen, die über Tausende von Jahren kultiviert worden sind, hinter sich lassen. (Ich möchte hier nur kurz erwähnen, dass vor allem die landwirtschaftliche Revolution hierarchische Strukturen, Kriege und Krankheiten mit sich brachte.)

Das Kind ist in sich ein Wunder, so wie jeder andere auch.

Ich bin davon überzeugt: Wenn Männer sich erst einmal befreit haben von dem althergebrachten Bild, das ihnen ihre Freiheit und ihren Wunsch zu fühlen und sich zu verbinden verleidet, werden sie auf ganz natürliche Weise die volle Verantwortung für ihren Part in der Elternschaft übernehmen: nämlich einerseits zu nähren und andererseits weiter zu lernen und zu wachsen. Gleichzeitig allerdings müssen die Frauen – wenn sie wirklich frei sein wollen – ihre Passivität aufgeben, ihre Abhängigkeit und manchmal auch Unfähigkeit, sich als gleichwürdig zu erkennen und zu behaupten. Das Ergebnis jahrhundertlanger Indoktrination. Weibliche wie männliche Rollenbilder sind schlicht und ergreifend Erfindungen und gewiss keine von der Natur gegebenen Phänomene.

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