Wir lernen, was wir wollen!

Das ABC erläutert zentrale Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Demokratischen Schulen genannt werden. (Teil 12)

Martin Wilke

L wie Lernen

»Lernen« ist ein großes und komplexes Thema, das eigentlich im Mittelpunkt jeglicher Bildungseinrichtung stehen sollte. Es ist zu groß, um es allumfassend an dieser Stelle behandeln zu können, sodass ein paar Schlaglichter genügen müssen. Einige Aspekte wurden bereits unter »A wie Angebote«, »F wie Freiheit« und »I wie Interesse und Intrinsische Motivation« behandelt.

Natürlich Lernen

Lernen ist so natürlich wie Atmen oder Essen und Trinken. Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen lernen. Sie haben ein angeborenes Lernbedürfnis. Kleine Kinder erkunden aktiv ihre Umwelt. Kinder haben unzählige Fragen. Sie wollen die Welt, die sie umgibt, begreifen und sich in ihr zurechtfinden. Sie müssen nicht dazu gezwungen, gedrängt oder überredet werden. Menschen lernen ständig. Es ist ein untrennbarer Teil des Lebens. Man kann nicht »nicht lernen«.

Lernen ist jedoch nicht das Gleiche wie Unterrichtet-werden. Unterricht ist eine Veranstaltung des Lehrers und gewährleistet keineswegs, dass die Teilnehmer das lernen, was der Lehrer ihnen beizubringen versucht. Lernen ist eine Handlung des Lernenden. Es geschieht zu einem großen Teil informell und beiläufig und ist dem Lernenden dabei selbst oft gar nicht bewusst. Wer neue Dinge erlebt oder ausprobiert, lernt dabei etwas. Wer beobachtet, was in seiner Umwelt passiert, wer Fragen stellt, wer anderen zuhört, der lernt etwas. Wer sein Umfeld erkundet und Neues entdeckt, lernt etwas. Wer sich in eine Sache vertieft, lernt etwas. Wer auf Reisen geht oder neue Leute trifft, lernt etwas.

Lernen ist oft unsichtbar, da es im Inneren des Lernenden stattfindet. Für Außenstehende mag es teilweise wie Nichts-Tun aussehen, während der Lernende die Umgebung auf sich wirken lässt, anderen zusieht, einem Gespräch anderer Leute zuhört, über die Welt und das Leben nachdenkt, seine Gedanken sortiert oder in seinem Kopf an der Lösung kleiner oder großer Probleme arbeitet.

Zum Lernen zählt auch all das soziale Lernen: das Zusammenleben mit anderen und in der Gemeinschaft, das Übernehmen von Verantwortung für das eigene Handeln, das Gestalten der eigenen Umwelt und das Bewältigen von Konflikten.

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