Auf der Suche nach dem eigenen Weg – Vatersein heute

Was ist das eigentlich – ein Vater? Unsere Vorstellungen von Vaterschaft sind oft von der eigenen Herkunftsfamilie geprägt, wohl wissend, dass sich die Idee von guter Vaterschaft in den letzten Jahrzehnten gravierend verändert hat. Väter erzählen uns von ihren Idealen und ihren Wegen. Fünf Erfahrungsberichte.

Katja Rose

Als wir in den Sozialen Medien nach Männern fragten, die uns von ihrem Vatersein berichten wollen, war die Resonanz überwältigend. Da waren sie, die aktiven Väter von heute. Und sie haben etwas zu sagen. Der Grundtenor dessen, was sie schrieben, war erstaunlich ähnlich: Die große Freude daran, mit Kindern zu leben, sie erleben und für sie da sein zu dürfen. Und die große Frage danach, was ein Mann braucht, um der Vater sein zu können, den er selbst nicht erlebt hatte. Auch wenn die Wege und die Ausgangspunkte, von denen die Männer berichten, ganz verschieden sind, haben sie doch eines gemeinsam: Der Weg zur guten Vaterschaft geht über die Auseinandersetzung mit der eigenen Emotionalität und oft eher in Abgrenzung als in Anlehnung an den eigenen Vater. Es geht um Männerbilder und Gewaltfragen. Fünf Väter berichten von ihren Idealen, ihrem Alltag und ihrem Ringen um neue Wege.

Josef (36) mit Kim (10) und Magdalena (7)

Verantwortung für Kinder haben heißt auch, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen

Als ich erfahren habe, dass ich Vater werde, war mein erster Gedanke: Ich werde die Fußballmannschaft meines Sohnes trainieren. Dabei hatte ich kaum noch Bezug zu diesem Sport. Und meine Töchter zeigten niemals auch nur das geringste Interesse daran. Was als Gedanke dahinterstand: Ich möchte es anders machen. Sowohl anders als mein eigener Vater als auch anders als die Männer (zum Beispiel Fußballtrainer), denen ich während meines eigenen Aufwachsens begegnet war. Wertschätzung, Liebe, Vertrauen, Zuspruch, Anerkennung und auch überhaupt das Kind sehen, auf es zugehen und es ernstnehmen – das waren von Anfang an wichtige Ideale für mich. Ideale, die ich mir für mich gewünscht hätte, weil ich eine solche Qualität nicht von meinem Vater erfahren hatte. Ich wollte eine stabile Bindung zu meinen Kindern aufbauen und der sichere, geborgene Hafen sein, der sie aufnimmt und akzeptiert, egal wie sie sich verhalten.

Früher hat mein Vater unsere Familie ernährt. Er war durch sein Schicksal ein gebrochener Mann. Ich habe mich nie bewusst entschieden, mich an seinem Beispiel abzuarbeiten. Dennoch bin ich ein Gegenentwurf geworden. Bei unserem ersten Kind war ich zwei Jahre zu Hause, während meine Frau wieder arbeiten gegangen ist. Ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie das Geld verdient hat.

Ich bin relativ jung (mit 25 Jahren) und ungeplant Vater geworden und hatte vor meinem Vatersein keinerlei berufliche Ziele, geschweige denn mich vorher selbst verwirklicht. Aber ich war bereit zu geben und habe mich deshalb sehr auf die Aufgabe gefreut. Ich habe dran geglaubt, dass ich Liebe zu verschenken habe. Liebe, die bei einem Kind gut aufgehoben ist. Die ersten Jahre hatten ziemlich viel mit Selbstaufgabe und Einsatzbereitschaft zu tun. Das war für mich eine willkommene Herausforderung und hat gut in unsere Aufgabenverteilung gepasst.

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