Vom Weg, Erziehung sein zu lassen

Wer Kinder mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen will, kommt nicht umhin, Erziehung zu hinterfragen. Ist dieser Prozess angestoßen, kann er lange anndauern und bringt viele Einsichten mit sich – nicht nur im Hinblick auf Kinder und Erziehung. Fünf Erfahrungsberichte.

Wir fragten Leser und Leserinnen, wie sie dazu gekommen sind, auf Erziehung zu verzichten. Welche Hürden sich dabei vor ihnen auftaten und wie sie sie genommen haben. Wir wollten die Reaktionen im Umfeld wissen, die Auswirkungen auf ihre Partnerschaft und die Beziehung zu den Kindern. Was bot oder bietet ihnen weiterhin Orientierung auf ihrem Weg? Hier berichten Eltern von ihrem Weg, auf Erziehung zu verzichten.

Renée Andrea (30) mit Sohn John (5) und Lio (9 Wochen)

Erziehung ist für mich schmerzvoll und gemein

Ich bin von Beruf Erzieherin und Mutter zweier Söhne. Nach meiner Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft war ich noch der Meinung, dass Erziehung notwendig wäre, weil ich es so übernahm, wie es in den Lehrbüchern stand. Doch dann kam mein erster Sohn zur Welt und öffnete mir die Augen.

Ich wollte diesem kleinen Wesen kein Leid zufügen. Denn das ist Erziehung heute für mich. Schmerzvoll und gemein. Erziehung sieht die Bedürfnisse des Kindes nicht, sondern nur das Verhalten. Doch hinter jedem »Fehlverhalten« steckt ein Bedürfnis, das weiß ich jetzt.

Mein Sohn ist heute 5 Jahre alt und ich arbeite noch immer an mir. Erziehungsfrei zu leben, bedeutet für mich vor allem eines: sich selbst von den Glaubenssätzen und eingebrannten Mustern zu befreien. Das ist harte Arbeit.

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