Tue es! – In der Öffentlichkeit einem Kind beistehen

Wir kennen alle diese Situationen: Wir sehen Eltern ihre Kinder maßregeln und nehmen Übergriffe wahr. Wir zögern. Wie sollen wir am besten darauf reagieren? Dieser Frage gehen wir im Inneren nach, während die Situation im Außen bereits vorbei ist. Aber so schwer ist es nicht, wenn wir den Blick für die Eltern nicht verlieren. Eine Anregung.

Jan Hunt & Mary Maurer Lansing

Überall können wir es sehen: Ein müdes Elternteil, am Ende eines stressigen Tages, flippt aus – und ein Kind leidet. Wir würden gern helfen, wenn wir können, aber wir zögern. Ist es an uns einzuschreiten? Und wenn wir es tun, beschämen wir das Elternteil, bringen es gegen uns auf und gefährden damit das Kind noch mehr? Begehen wir den Fehler, dem Elternteil harsch zu sagen, sanft zu seinem Kind zu sein? Ist es nicht taktvoller, vorbei zu gehen, ohne einen Kommentar zu hinterlassen? Am Ende ist niemand von uns eine perfekte Mutter oder ein perfekter Vater.

Geht es uns etwas an?

Es scheint eine generelle Annahme in unserer Gesellschaft zu sein, dass ein öffentliches Eingreifen im Interesse eines Kindes unbedingt schmerzvoll und kritisch zu sein hat. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen übertrieben schmerzvollem Kritisieren (»Wie kannst du nur dein Kind so behandeln?«) und hilfreichem Eingreifen in fürsorglicher Art und Weise (»Es kann wirklich schwerfallen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, wenn man so beschäftigt ist. Kann ich irgendwie helfen?«) Das Eingreifen erfordert nicht zwingend, offensiv zu erfolgen. Der reine Akt, einem Elternteil Hilfe anzubieten oder das Kind zu beruhigen, braucht generell keine offensiven Qualitäten.

Ich habe erfolgreich eingegriffen, indem ich einer Mutter angeboten habe, Lebensmittel für sie zu finden, indem ich einem Kind geholfen habe, sein Spielzeug aufzuheben, und indem ich einer Mutter geholfen habe, ein müdes Kleinkind anzuziehen. All diese Frauen waren wahrhaftig dankbar: Sie freuten sich über meine Hilfe und begegneten ihren Kindern sofort mit mehr Mitgefühl. Ich habe immer bunte Aufkleber bei mir, die – wie ich herausfand – ein müdes, gelangweiltes oder weinerliches Kind, dessen Eltern vielleicht einfach zu erschöpft sind, um geduldig sein zu können, magisch ablenken können. Wenn das Kind glücklicher ist durch dieses unerwartete Geschenk (nicht nur den Aufkleber, sondern auch die sanfte Aufmerksamkeit und den Augenkontakt) entspannen die Eltern oft und können sogar ein bisschen mehr Energie durch dieses Erlebnis haben. Wir können in einer positiven Art und Weise eingreifen und die Botschaft vermitteln, dass wir uns um beide sorgen: die Eltern und das Kind.

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