Wider den Gehorsam

von Arno Gruen

Klett-Cotta, ISBN 978-3608-94891-2, 12,00 Euro

Im Jahr 2014 erschien die Erstausgabe des knapp hundert Seiten langen Essays. Der Musiker Konstantin Wecker lobte ihn ausgiebig, doch allgemein bekannt wie die nur wenige Jahre zuvor erschienenen Bestseller Lob der Disziplin von Bernhard Bueb, die »Tyrannenbücher« Michael Winterhoffs und Amy Chuas Wie ich meine Kinder das Siegen lehrte wurde Wider den Gehorsam nicht. Von Büchern, die Kinder und Jugendliche als erziehungs- oder verbesserungsbedürftig ansehen, versprechen sich Leser anscheinend mehr als von einem Büchlein, das dazu auffordert, selbst veränderungsbereit und mit Mut, Herz und offenem Denken gegen destruktiven Gehorsam zu sein.

Als Psychoanalytiker, Therapeut und einfühlsamer Denker zeigt Arno Gruen auf, dass Gehorsam entsteht, weil das hilflose Kleinkind von einem Erwachsenen abhängig ist. Die menschliche Entwicklung wird gestört, weil sie Gehorsam verlangt und eine Identifizierung mit demjenigen, der Gehorsam einfordert. Gruen sieht die Todesangst des Kleinkindes als so überwältigend an, dass sie beiseitegeschoben und abgespalten werden müsse, nicht nur verdrängt. In Folge kommt es zu so genannten »schizoiden Manövern« und Idealisierungen, die verhindern, dass Ungehorsam möglich ist. Gruen spricht von reflexartigem Gehorsam. Treffender lässt es sich nicht sagen.

Seine Aussagen werden im gesamten Buch immer wieder durch in den äußeren Rand des Fließtextes eingeschobene Schlagworte, Botschaften und Erkenntnisse besonders hervorgehoben. Sehr schnöde heißt es als »Randbemerkung« im Prolog: »Gehorsam – das Grundproblem unserer Zivilisation« oder ganz schlicht »Uns selbst halten wir keineswegs für gehorsam«.

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