Mund auf, Nase zu?

Ein Kommentar von Angelika Mauel

Auf Verkaufsseiten im Internet wird die Matschhose als Spielgefährte fürs Schmuddelwetter angepriesen und ungeachtet enthaltener Giftstoffe wird das unbeliebteste Kleidungsstück der Kinder sogar noch als ihre Schutzkleidung bezeichnet! Die »Minis« werden von ihren Erzieherinnen mit geübten Griffen hineingesteckt. Ältere müssen sich die Montur selbst anziehen. Wenn sie dabei trödeln oder sich weigern, folgen aus Erziehermund schon mal Sätze wie »Nein, du musst deine Matschhose natürlich nicht anziehen, aber falls du sie nicht anziehst, bleibst du drinnen. So einfach ist das.«

Zu schnöden Antworten fühlen sich Erzieherinnen ermächtigt, weil einige Eltern meinen, sie hätten das Recht auf Abholung eines picobello sauberen Kindes. Doch auch wenn Einrichtungen nicht fachgerecht gereinigt werden, besteht manche Erzieherin konsequent auf der Matschhose. So entsteht Anlass für erste Notlügen. Schon Krippenkinder, die sich nicht nass schwitzen wollen, verstecken ihre Buxe und beteuern treuherzig sie sei »weg«.

Mit lebensechten Schilderungen greift die in der Reihe Leon und Jelena ( www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/ ) erschienene kleine Geschichte Die Matschhose muss weg von Rüdiger Hansen und Raingard Knauer das Dilemma der Kinder auf. Erzieherin Anja versteht alles, berät sich mit ihren Kolleginnen, und den Kindern wird ermöglicht, im Rahmen einer Konferenz eine eigene, zu ihren Bedürfnissen passende Lösung zu finden. Am Ende steht zwar nicht das endgültige Aus für die Matschhose, doch da Wechselkleidung zu beschaffen ist und im Haus eine Waschmaschine betrieben werden kann, muss kein Fußballspiel mehr in Matschhosen stattfinden.

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