Bildungsgerechtigkeit? Yes, we can(not)!

Die US-Amerikanerin Alexis Morin gründete 2009 mit einer Kommilitonin die Nichtregierungsorganisation Students for Education Reform (SFER) in Princeton. Auslöser dafür war die Chancenungleichheit in amerikanischen Klassenzimmern. Heute arbeitet SFER international. Ein Gespräch mit Alexin Morin.

Tabea Zorn

Alexis Morin sitzt mit ausgestreckten Beinen auf einer Couch in Berlin. Draußen prasselt der Sommerregen. Ein leichtes Gewitter-Grummeln tönt aus der Ferne. Drinnen ist alles in ein warm-gelbes Licht gedimmt. An der Wand über Alexis Morin hängt ein Holzschild, auf dem in weißen Buchstaben auf Englisch »Home« geschrieben steht. Zuhause. Doch Morin ist nicht zu Hause. Sie ist unterwegs. New York City hat sie vor zwei Monaten verlassen, die von ihr gegründete NGO Students for Education Reform auch. Dieses Interview ist das erste Mal, dass sie seitdem wieder über das Thema Schule redet.

Schule als Basis für die Zukunft

In der Schulzeit stört Alexis Morin eine Sache besonders: die Chancenungleichheit. »Je nach Rasse und sozialer Klasse funktioniert das amerikanische Schulsystem für jeden anders«, erzählt Morin. In ihrer Highschool waren alle weiß und wohlhabend. Fast jeder hatte einen Abschluss gemacht und ist danach zur Universität gegangen. »Normal«, dachte Morin, bis sie auf der Highschool erkennt, in welcher Blase sie lebt. Sie erkennt, dass sie privilegiert ist. Und sie erkennt, dass Schule ein Schlüsselfaktor ist. An Schulen in reichen Vierteln geht so gut wie jeder zur Universität. Doch nur 10 % der Schüler auf armen Schulen gehen zur Universität. Die Schüler ohne Uni-Abschluss bekommen keinen guten Job, bleiben arm und der Teufelskreislauf beginnt. »Schule ist das Ticket, um aus der Armut heraus zu kommen. Es sollte eine unglaubliche Möglichkeit für jeden bieten, aber das System tut das Gegenteil«, sagt Alexis Morin klar. Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es keine Chancengleichheit.

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