Die Zähmung der Tigermutter … um starke Tigerkinder auf ihrem Weg zu begleiten

Brauchen junge Menschen Drill und Bestrafung, um Motivation und Kompetenz zu entwickeln? Kinder haben eigentlich den Wunsch zu wachsen von Natur aus in sich. Eltern tun gut daran, diesen Wesenszug – die Freude am Wachsen – wieder selbst in sich zu entdecken und ein Leben voll Leidenschaft und Begeisterung zu führen. Das schafft den optimalen Nährboden für die kindliche Entwicklung …

Naomi Aldort

Eine Mutter wandte sich mit folgendem Anliegen an mich: »Ich verfolgte ein Interview auf CNN mit Amy Chua, Autorin des Buches »Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte (Originaltitel: Battle Hymn of the Tiger Mother ). Amy Chua spricht darin über ihr Verständnis von guter Mutterschaft. Viele Menschen halten sie für gewalttätig; andere finden, dass sie sich so richtig für ihre Kinder ins Zeug legt. Ich bin durcheinander. Ich versuche auch, meinen Kindern das Beste zu geben. Wenn ich anders handle als diese »Tigermutter« (nämlich ohne Drill und Zwang), dann aus einem bestimmten Grund: Ich halte es für sinnvoller, wenn Kindern erlaubt ist, sich selbst zu entwickeln. Aber jetzt bin ich da nicht mehr sicher. Meine Kinder (15, 12 und 9 Jahre) gehen nicht zur Schule; sie zeigen keine besonderen Interessen in dem Sinn, dass sie für etwas »hart arbeiten« (wie z. B. das Erlernen eines Instruments). Vermissen meine Kinder vielleicht etwas? Ja, enthalte ich ihnen vielleicht sogar etwas Wichtiges vor, sodass sie sich später im Leben und in der Gesellschaft nicht zurechtfinden werden?«

Wahre Freiheit vs. »Alles ist möglich«

Ich kann die Bedenken dieser Mutter durchaus verstehen. Hier meine Gedanken dazu:

Jede Mutter würde sofort auf Kontrolle und Manipulation verzichten, wenn sie freundlichere Wege wüsste, ihre Kinder auf dem Weg zu liebevollen, freudvollen und erfüllten Erwachsenen zu begleiten. Ich bin davon überzeugt, dass auch Amy Chua es zu schätzen wüsste, wenn ihre Kinder ihren eigenen Leidenschaften folgten, und zwar ohne Unterdrückung. Dann bräuchte sie auch keinen Zwang mehr anzuwenden, nicht mehr zu schimpfen, zu drohen und ihr Zuhause in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln (ihre eigenen Worte!). Aber: Sie weiß leider einfach nicht, dass das möglich ist …

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