Die Rotzlöffel-Republik

von Tanja Leitsch und Susanne Schnieder

Ecowin, ISBN 978-3-71100133-7, 20,00 Euro

Eine Diplompädagogin und eine Kindergartenleiterin haben – unterstützt von Carsten Tergast, der auch an den Büchern Michael Winterhoffs mitgewirkt hat – ein kritisches und humorvolles Buch über den Alltag in deutschen Krippen und Kitas verfasst. Freimütig wird benannt, was schiefläuft. Am Ende gibt es Anregungen und Forderungen. Die Autorinnen bekennen sich – während viele Berufskolleginnen schon resigniert haben? – zu der Hoffnung, dass Verbesserungen, die diesen Namen verdienen, möglich sind.

Mein erster Eindruck: Eine sehr empfehlenswerte Lektüre für Eltern, die sich einen frühen Langzeitaufenthalt ihres Kindes in einer proppenvollen Institution schönreden und die Schattenseiten der Betreuung zu den üblichen Konditionen verdrängen wollen. Der zweite: Warum gibt es so wenige Erzieherinnen, die es wagen, ehrlich zu sich selbst und den Eltern zu sein?

Wirklich schade ist, dass der abschätzig klingende Buchtitel falsche Erwartungen begünstigt.

Mit Herz und Verstand gelesen wird schnell klar, dass Die Rotzlöffel-Republik kein seichtes Büchlein ist, in dem die üblichen Klischees über Helikoptereltern und tyrannische Kinder aufgewärmt werden. Duldsame Erzieherinnen mögen manches übertrieben finden und an Nestbeschmutzung denken. Eine bloggende Mutter vermutete gar, es handele sich »um die längst überfällige Abrechnung zweier frustrierter Frauen.« Als ob pädagogische Fachkräfte, wenn sie darauf verzichten, zu betonen wie beglückend das Lächeln der Kinder und wie inspirierend deren Kreativität sei, miesepetrig sein müssten! Gerade weil in vielen Einrichtungen Personalmangel an der Tagesordnung ist, wäre es kontraproduktiv, wenn fundierte Kritik durch den Weichspüler gezogen würde.

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