Institutionelle Gewalt gegen Kinder am Beispiel Schule

Kinder sind im institutionellen Kontext der elterlichen, der pflegerischen und der staatlichen Gewalt ausgesetzt. Von ihren Eltern werden sie erzogen, vom Staat in die Schule gezwungen. Das Recht auf Fürsorge wird zum Übergriff. Das Recht auf Bildung wird zum Beschulungszwang.

Aida S. de Rodriguez

Gewalt ist nicht immer sofort greifbar und doch allgegenwärtig. Während körperliche Gewalt in Form eines Faustschlages im mehrheitlichen, gesellschaftlichen Konsens als Gewaltakt identifiziert wird, verstehen viele Erwachsene den berüchtigten »Klaps« oder die »Backpfeife« als erzieherisches Mittel im häuslichen Kontext noch immer als legitimes Mittel. Kinder zur vermeintlichen Erhaltung ihrer Gesundheit zum Zähneputzen festzuhalten, gilt im Verständnis vieler als verantwortungsvoller Umgang mit ihrer Fürsorgepflicht. In Kindergärten sitzen Kinder auch im 21. Jahrhundert zum »Nachdenken« auf stillen Stühlen, werden zum Windelwechseln oder Aufessen gezwungen und zum Mittagsschlaf gedrängt.

Gewalt gegen Kinder hat viele Gesichter

Gewalt wird zumeist als ein aggressiver Akt eines Subjektes gegenüber einem anderen verstanden. Hier erklärt sich womöglich bereits die unterschiedliche Wahrnehmung in Bezug auf die erzieherische Gewalt gegenüber Kindern. Eine erzieherische Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern ist stets eine Subjekt-Objekt-Beziehung, bei der das Kind zum Objekt der Erziehung des Erwachsenen wird. Selbst körperliche Gewalt erhält unter diesem Anhaltspunkt in Hinblick auf das zu erreichende Erziehungsziel ihre scheinbare Berechtigung. Sie wird zumeist nicht einmal als solche erkannt.

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