Meine Chefs sind Kinder!

Die zweifache Mutter Nela Hein hat die Zeitschrift Kindamag ins Leben gerufen, die von Kindern geplant, gemacht und mit Inhalt gefüllt wird. Sie wird viermal im Jahr erscheinen und themenorientiert sein. Ein Gespräch.

Tabea Zorn

Nela Hein steht in ihrem Büro. Sie schaut auf einen chaotischen Tisch, auf dem lauter bunt bemalte Zettel verteilt liegen. Ihr Gesichtsausdruck pendelt zwischen einem Augenbrauen-Hochziehen und einem Schmunzeln. Zwischen den vielen Papierblättern verstreut liegen Pinsel, Stifte und buntes Bonbonpapier. Letzte Woche war Kindamag -Redaktionssitzung.

Alle zwei Wochen treffen sich fünf Grundschüler, um als Chefredakteure das Magazin Kindamag zu gestalten. Das Kindamag ist ein Magazin für die Welt der Kinder. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem Thema, und die Kinder malen, sammeln Ideen für verschiedene thematische Seiten, schreiben eigene Gedanken auf. Jeder kann mitmachen und gemalte Bilder abfotografieren und digital einsenden. Nela Hein hat das Projekt ins Leben gerufen. Sie erzählt: »Das Heft in sich ist ein Kunstwerk. Das Kindamag ist wie eine Art Buch, das man jederzeit wieder rausholen kann.« Deswegen steht auch kein Datum auf dem Heft — die Themen sind nicht an eine Jahreszeit gebunden. Auf dem Heft steht geschrieben: »Ein Magazin für Kinder von Kindern.« Für Nela Hein dieser Satz ein Sinnbild: »Wir sind alle miteinander verbunden, egal ob wir an der Nordsee sind oder in den bayrischen Wäldern. Unsere Gedanken sind ähnlich, aber nie gleich. Wenn ein Dino gemalt werden soll, dann sieht der Dino von jedem immer anders aus.« Gemeinsam etwas (er)schaffen – das ist das Motto des Heftes.

Kinder denken so anders als wir Erwachsenen

Die erste Probeausgabe ist vor knapp einem Jahr entstanden. Das Thema war »Meine Welt«. Über zwei Jahre lang haben Hein und ihr Redaktionsteam Bilder und Ideen einschicken lassen. Die Kinder, die mitgemacht haben, waren alle im Vorschulalter oder in der Grundschule und haben interessanterweise ganz ähnliche Bilder eingereicht – Menschen, der Weltraum, Raketen, Tiere. »Kein Einziger hat mir eine einzige Flagge geschickt. Kinder sehen diese Welt gar nicht, diese Welt, in der es unterschiedliche Länder gibt«, stellte sie fest. Sie hat auch nur eine einzige Erde erhalten, und diese Erde wurde höchstwahrscheinlich nur gemalt, weil sie es angeregt hatte. »Es erstaunt mich immer wieder, dass Kinder untereinander so ähnlich denken, aber so anders als wir«, erzählt sie.

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