»… lange können sie uns nicht mehr ignorieren!«

In vielen Vereinen und Organisationen gibt es soziales und bürgerschaftliches Engagement rund um die Themen Bildung und Leben mit Kindern. In dieser Reihe werden einige davon vorgestellt. Ein Interview mit Harald Krisa, vom Netzwerk der Freilerner .

Wie ist das »Netzwerk der Freilerner – Verein zur Förderung freier und selbstbestimmter Bildung« entstanden und durch wen?

Zunächst möchte ich vorausschicken, dass es in Österreich im Gegensatz zu Deutschland keine strenge Schulanwesenheitspflicht gibt. Sogenannter »häuslicher Unterricht« ist möglich und verfassungsrechtlich garantiert – was aber nicht bedeutet, dass freie, selbstbestimmte Bildung legal ist.

Die Basis für unseren gemeinsamen Weg wurde im Jahr 2008 durch den Zusammenschluss einiger weniger Familien gelegt. Sie gründeten ein Internetforum als Austauschplattform für Familien im »häuslichen Unterricht«. 2010 folgte die Gründung des Vereins Netzwerk der Freilerner und die Eröffnung der Website freilerner.at. Erstmals wurden vielfältige Informationen zu außerschulischer Bildung, die zuvor in Österreich schwer zu finden waren, ins Netz gestellt und die Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch geschaffen.

Mit der Zeit wuchs das Netzwerk, Treffen und Infoveranstaltungen wurden initiiert, es gab einen regen Austausch, alljährliche Sommertreffen wurden veranstaltet. Bedingt durch diese intensiven Kontakte kamen allerdings auch gewisse Interessenskonflikte zum Vorschein. Da gab es auf der einen Seite die klassischen Homeschooler-Familien, die sich darüber austauschten, wie man den Schulstoff möglichst gut vermitteln kann und in welchen Prüfungsschulen freundliche Prüfer und Prüferinnen zu finden sind. Die Vertreter des »unschoolings« oder Freilernens diskutierten darüber, unter welchen Rahmenbedingungen selbstbestimmtes Lernen bestmöglich stattfindet und wie man gemeinsam ein Grundrecht auf die freie Wahl des eigenen Bildungsweges erreichen könnte. Vor allem in Hinsicht auf die Haltung der Eltern zu den Töchtern und Söhnen gab es große Unterschiede. Selbstbestimmung versus Elternrecht – so könnte man stark vereinfacht die Gegenpole beschreiben. Die Homeschooler verstanden die gesellschaftspolitischen Diskussionen nicht und warnten davor, an die Öffentlichkeit zu gehen, um eine Änderung der Gesetzeslage zu fordern. Die Angst vor Einschränkungen des »häuslichen Unterrichts« durch Behörden und Politik war und ist sehr groß. Was verständlich ist, wenn man gewisse Zeitungsartikel liest, die Freilerner-Eltern in die Nähe von Staatsverweigerern stellen oder ihnen vorwerfen, gegen das Kindeswohl zu agieren.

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