Wir lernen, was wir wollen!

Das ABC erläutert zentrale Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Demokratischen Schulen genannt werden. (Teil 16)

Martin Wilke

P wie Persönlichkeits- rechte und Privatsphäre

Persönliche und private Dinge sind nicht Angelegenheit der Gemeinschaft. Über sie hat demzufolge auch nicht die Gemeinschaft zu entscheiden, auch nicht demokratisch, sondern jeder Einzelne für sich selbst. Dazu zählen sowohl öffentlich wahrnehmbare Aspekte wie etwa Kleidungsstil und Frisur als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit als auch Dinge, die der (Schul-)Öffentlichkeit verborgen bleiben sollen. So sollte niemand genötigt werden, über seine Gefühle zu reden oder persönliche Probleme und andere private Dinge preiszugeben, auch nicht im Rahmen der Lösung von Konflikten.

Demokratische Schulen bieten Rückzugsorte. Schüler werden nicht ständig von Mitarbeitern beobachtet. Sie können Dinge ungestört ausprobieren, ohne dass dies gleich von Erwachsenen gesehen und womöglich bewertet wird. Sie können einem neuen Interesse nachgehen, ohne sich rechtfertigen zu müssen, warum sie sich nun dafür interessieren oder warum sie es doch nicht weiterverfolgen. Das Gleiche gilt für Freundschaften und andere soziale Beziehungen. Da Schüler und Mitarbeiter gemeinsam den Schulalltag verbringen, erfahren die Mitarbeiter natürlich auch viele persönliche Dinge von den Schülern. Zum Teil wenden Schüler sich auch gezielt an Mitarbeiter, insbesondere an ihre Mentoren, um Dinge mit ihnen zu besprechen.

Viele Eltern wollen ebenfalls erfahren, wie es ihren Kindern in der Schule geht, wie sie ihren Tag verbringen, welche Probleme und Konflikte sie haben und welche Beschwerden wegen mutmaßlicher Regelverletzungen sie bekommen. Demokratische Schulen haben hier jedoch die Aufgabe, die Privatsphäre der Schüler zu schützen und den Eltern nicht alles mitzuteilen. Konsequenzen für Regelverletzungen werden nicht aktiv an die Eltern kommuniziert, es sei denn, die Eltern sind direkt betroffen, etwa bei Suspendierungen. Vor Elterngesprächen sollten die Schüler gefragt werden, welche Informationen mit den Eltern geteilt werden dürfen und welche auf keinen Fall geteilt werden sollen. Ebenso müssen Mitarbeiter mit privaten Informationen, die sie von den Eltern über die Schüler erhalten, behutsam umgehen. Es kann aber nötig sein, einige Informationen mit anderen Mitarbeitern zu teilen, damit diese auf bestimmte Situationen oder Probleme besser eingehen können.

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