Dein Kind ist wie der Regen

Kindliches Verhalten bringt Eltern oft an ihre Grenzen, denn es widerspricht deren Erwartungen und Glaubenssätzen. Daran lässt sich arbeiten. Eine Einladung zum Perspektivwechsel.

Naomi Aldort

Als der Berg Mount St. Helens, der in unserer unmittelbaren Nachbarschaft liegt, zu grollen begann, fragte eines meiner Kinder: »Werden die Menschen, die in der Nähe wohnen, beim Ausbruch des Vulkans wütend?« »Werden sie wütend wegen des Regens?«, fragte ich. Während er über meine Frage nachdachte, sagte sein Bruder: »Wütend auf den Regen oder einen ausbrechenden Berg zu sein, ist genauso verrückt, wie auf eine andere Person wütend zu sein.« In der Tat leben wir im Frieden mit der Natur, weil wir erkannt haben, dass sie sich nicht nach unseren Vorstellungen verändert. Doch allzu oft erwarten wir, dass sich die Menschen nach unseren Vorstellungen verändern und die Kinder sich nach unserem Plan entwickeln. Solche Erwartungen lassen uns frustriert und machtlos zurück.

Woher weiß ich, dass es regnet? Ich beobachte es. Ich versuche nicht, den Regen zu ändern; ich reagiere, indem ich einen Regenschirm in die Hand nehme. Wie weiß ich, wie mein Kind sein sollte? Ich beobachte und reagiere, ohne zu versuchen, es zu manipulieren.

»Aber«, protestiert ein fürsorglicher Vater, »wie reagieren wir freundlich, wenn ein Kind schlägt, etwas wegnimmt oder Unordnung macht?«

Artikel weiterlesen?

Kauf die aktuelle Ausgabe oder schließ ein Abo ab, um alle Ausgaben zu lesen.

Du bist bereits Abonnent oder hast das Heft gekauft und besitzt ein Benutzerkonto?